Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1895)
- Date
- 1895-12-01
- Page
- Seite 282 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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2Ö2 Richtung einschlageil, da diejenige Partei mehr Anhalt bietet, bei welcher mit dem antimosaischen Glauben an ein ewiges Leben nach dem Tode, doch wenigstens die wichtigstenbiblischen Ceremonialgesetze kritiklos inne gehalten werden, welche trotz der mannigfachen falschen rabbinischen Anordnungen^) der mosaischen Hygiene immer noch wohlthuender wirken, als durch die gänzliche Beseitigung dieser bewundernswerten Einrichtungen, welche einzig und allein die Juden bis jetzt erhalten haben?) Der Mosaismus kann sich nur in seinem ihm eigentümlichen Element erhalten und geht zu Grunde wie die Priestersöhne Aarons^) wenn frdmdes Element, fremdes Feuer seinen Institutionen zugeführt wird. Die jiidische Synagoge bildet keine selig machende Kirche und die Rabbiner sind keine Trost spendenden Seelenhirten, keine Seelsorger und keine Kirchenfürsten Trost kann der Mosaismus ebenso wenig gewähren, wie es die Wissenschaft vermag, denn damit kann der Blinde, Taube rc. nicht getröstet werden, selbst mit der festen Annahme, daß keine Kraft im Cvsmos verloren geht, denn für den Blinden, Tauben u. s. w ist die Sehkraft und das Gehör ebenso verloren, wie für den Toten die Lebenskraft. Die Trostworte, welche häufig bei Trauergelegenheiten in den Predigten angewandt werden. „Besser der Tag des Todes, als der Tag der Geburt," oder „Besser der Mensch wäre nie geboren worden, als daß er geboren wurde" sind nicht mit den göttlichen Intentionen, wonach die Schöpfung von der Allmacht für gut und für sehr gut befunden worden in Einklang zu bringen und klingt diese Abschwächung des Lebenswertes durch diese pessimistischen Anschauungen fast wie Gotteslästerung?) Im reinen Mosaismus dursten sich keine Schafe für Seelenhirten finden und Diejenigen, welche solcher trostspendenden Seelsorger durchaus bedürfen, werden solche außerhalb des Judentums (namentlich des gegenwärtig refornnrten) besser vorfinden, indem durch die herrschende Kirche diese eine fettere Weide bieten können und auch scheinbar für die platonische Seele mehr wirken können, als es ein Rabbi vermag, da Ersterer mit seinen Religionsvorschriften sich in vollständiger Harmonie befindet, während Letzterer als Seelsorger mit sich selbst durch die entgegengesetzte Lebensanschauungen seines Gesetzgebers Moses in Widerspruch gerüth. Dagegen werden die Führer des Judentums, die Rabbinen als Lehrer in Israel die mächtigste Stütze in der frei forschenden Wissenschaft finden, wenn sie es sich zur Aufgabe machen werden, die ewigen Wahrheiten des Mosaismus durch eine Reformation in ihren Gemeinden zu verkünden. Alsdann wird die salomonische Prophezeiung in Erfüllung gehen, daß sein Haus ein Got- *j Siehe De A. Wiener. Die jüdischen Speisegesetze. Breslau 1895. 2) Prof. Baginski hat das besonders in seinem jüngsten Vortrage über mosaische Hygiene in Berlin hervorgehoben. (Der Vortrag ist im Drucke erschienen.) ») B. III. Cap. 6. V. 13. B. III. Cap. 10, V. 1-2. *) Aus dem Buche Kohelet.