Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1895)
- Date
- 1895-12-01
- Page
- Seite 281 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 28i abstrakten Seele. Für den Sprachgebrauch ist die mosaische Theorie noch vor« herrschend, denn edles nnd böses Blut, edles und hartes Herz, bilden Prädikate für den Charakter des Menschen. Der Franzose bezeichnet das auswendig Können mit „par coeur“ statt aus dem Kopfe und der Pole beschimpft einen bösartigen Menschen mit „Hundeblut." Die Blutsubatene ist nachher mosaischen Cosmogonie der Erde entnommen und staminen daher die Worte „Damm" Blut, „Adam" Mensch, „Adumoh" Erde aus einer Wurzel. Ebenso wird die blutähnliche rote Farbe mit Edom benannt und werden die Edomiter zu den Rothäuten gezählt?) Von der Prämisse ausgehend, daß vom Blute das Wohl und Wehe des Menschen abhängt, mußten die hygienischen Vorschriften den Hauptteil der Gesetzgebung bilden, da solche für die Beschaffenheit des Blutes vom größten Einflüße sind, während über das metaphysische Seelenleben nach dem Tode der Mosaismus einfach zur Tagesordnung übergeht. Aus diesem logischen Zusammenhänge des mosaischen Systems ergiebt sich, daß eine durchgreifende Reformation sich im Judentum? vollziehen muß, wenn solches auf mosaischer Grundlage, ohne welche es nicht lebensfähig ist, bestehen soll, wodann statt des Glaubens an die Auferstehung der Toten, der Glaube an die lebensfrischen Wahrheiten der mosaischen Vernunftlehren auferstehen müßte. Man wird dagegen einwenden: Das Judentum besteht und lebt doch trotz der vielfach bereits erwähnten heterogenen Lebensanschauungen! Nun die siamesischen Zwillinge lebten auch, aber fragt mich nicht wie? Ich möchte jedoch das Judentuni in seiner jetzigen Gestalt nicht mit dieser Abnormität, diesem Zwillingspaare vergleichen, welches derartig in einander verwachsen war, daß statt durch eine Trennung Beider deren Erlösung nur deren Tod herbeigesührt werden konnte. Vielmehr möchte ich das'gegenwärtige Judentum mit der Rebecka, der Frau des Erzvaters Jsaak's vergleichen?) Wie diese von heftigsten Schmerzen ergriffen wurde, weil sich zwei Menschenkinder extremer Natur in ihrem Mutterschooße zusammen fanden, und nie zu der Einsicht gelangte, daß diese Schmerzen nicht früher aufhören werden, bis die Ursache derselben durch die Geburt der beiden Söhne beseitigt wird, so kann der tiefe Schmerz, welchen das Judentum in seinem innersten Wesen empfilidet, nur Nachlassen durch eine Wiedergeburt des reinen. Mosaismus (einer mosaischen Renaissance) wodann der mosaische Jakob von dem platonischen Esau getrennt werden müßte. Die gegenwärtige Reformation im Judentum klammert sich ängstlich an Letzteren, indem sie den Ersteren verläßt d. h. sie bevorzugt den Platonismus aus Kosten des Mosaismus indem sie Ersteren für idealer und lebensfähiger hält, als den Realismus und Materialismus des Letzteren. In Wirklichkeit findet jedoch Letzterer immer mehr Anhänger während an Ersteren bald keine Seele mehr glauben wird. Diese Reformation befindet sich demnach auf ganz falscher Bahn und müßte eine entgegengesetzte ') Michalis mos. Recht. B. I. S. 155. ') B. I. Cap. 85, B. 33-33.