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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-12-01 · Heft 12 (1.12.1895) · p. Seite 280

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 12 (1.12.1895)
Date
1895-12-01
Page
Seite 280 (sequence 16)
Language
German
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280 — liegt im Blute, also weder in einer abstracten Seele, noch im Gehirn. Letzteres würde nach der mosaischen Theorie nur einen Denk- oder Gedächtnisapparat, wie etwa Augen, Nase, Ohren, Seh-, Geruchs- und Hörorgane bilden, durch welche Alles dem Blute zum Bewußtsein gelangt. Getrennt hiervon ist die belebende Lebenskraft (Nischmas ruach chaim), welche nicht zum denken, lieben, hassen fähig ist, sondern diese psychischen Eigenschaften sind lediglich den Functionen des Blutes zuzuschreiben und gleichzeitig dem Herzen, der Hauptblutquelle, von welchem die Circulation des Blutes im Organismus ausgeht. So heißt es: „Du sollst Gott lieben') mit ganzem Herzen" mit ganzem Nephesch (dem Organismus) etc. als die Representanten des Blutes. Ebenso wird das Herz Pharaos verhärtet,^) sein Wille verstockt, ohne daß dabei von einer Seele (Neschnmeh) die Rede lst. Das Blut deines Bruders (Abels) schreit zu mir aus der Erde3) Das müßte doch eigentlich von der vermeintlichen Seele (Neschnmeh) geschehen, nachdem diese durch den Tod Abels zu Gott zurückgekehrt. Mit Neschnmeh (fälschlich als Seele bezeichnet) wird auch der ganze Mensch wie mit Nephesch bezeichnet, so heißt es''), daß alle Seelen vernichtet werden sollen, d. h. den Betreffenden soll das Lebenslicht ausgeblasen werden, was jedoch nur dadurch geschehen kann, indem das Blut vergossen wird, ohne welches die Lebenskraft nicht fungiren kann, somit ist die Lebenskraft nicht unzerstörbar und nicht ewiglicher Natur?, Der Genuß des tierischen Blutes ist auf's strengste verboten, da durch denselben der Mensch vertiert, verroht, wie das in der Nibelungensage geschildert wird, denn das Blut bildet das Psychische, sowohl beim Menschen wie beim Tiere.") Den Griechen und Römern ivurde Blut, tvelches in größeren Quantitäten genossen, tätlich wirkt anstatt Gift verabreicht?) Themistokles tötete sich durch den Genuß von Rinderblut, welches er aus einer Schale trank, bei Gelegenheit eines Opferdienstes?) Ein wissenschaftlicher Gegenbeweis für die mosaische Blnttheorie, dürfte wohl kaum beigebracht werden können, zumal die Sectionen bei Irrsinnigen in den seltensten Fällen Abnormitäten im Gehirn zeigen, während solche sich vielfach auch da vorfinden, wo der geistige Zustand des Betreffenden trotzdem ein normaler war, wonach die Ursache des Irrsinns auch in der Blntbeschaffenheit vorhanden sein könnte?) Blut und Gehirn dürften demnvch als covrdinirte Faktoren für den Denkprvzeß im Menschen und Tiere betrachtet werden, womit das Problem über diesen Vorgang ebensowenig als gelost erscheint, wie bei Annahme einer B. V. Cap. 6, B 5. B. II. C. 10. B. 1. 3) B. I. C. 4 V. 10. *) B. V. C. 20, P. 16. 6) Was von Carus in seiner Psychologie der Hebräer (meiner Ansicht nach) nicht richtig erkannt wird obwohl derselbe die abstracte Seele im Mosaismus keineswegs annimmt. B. ill. Cap. 7, B. 26. 27 u. a. 0. B. V. C. 12. V. 23. H De. A.Wiener. Die jüd. Speisegesetze. Breslau 1695. K, Valcriun maximus lib. f>. (Jap. 6. 9) Diese Mitteilungen wurden mir persönlich von hervorragenden Lrrenärzten gemacht, welche an der Spitze der bedeutendsten Irrenanstalten gestanden.

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