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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-12-01 · Heft 12 (1.12.1895) · p. Seite 279

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 12 (1.12.1895)
Date
1895-12-01
Page
Seite 279 (sequence 15)
Language
German
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2?9 Wo sängt der Wosaismus an und wo hört er auf? von Martin Kornfeld. (Schluß.) Fremdartige Einflüsse, durch welche namentlich der Glaube an ein ewiges Leben nach dem Tode*) entstanden ist, haben wie bereits in unseren Erörterungen (Heft 10, I I) nachgewiesen, das Judentum keineswegs im mosaischen Sinne entwickelt, sondern vielmehr derartig verwickelt, das; die jetzige jüdische Institution als ein mittelalterlichesTestanient bezeichnet werden könnte, welches den; alten Testament ferner liegt als dem neuen. Die Neigung zum Mysticismus einerseits, welche Moses z. T. so schwer bei seinem Volke zu bekänipfen vermochte (und ihn wohl zu manchen Concessionen veranlaßte), so wie die irrtümliche Ansicht andererseits, daß eine Religion, welche keine Fortdauer des ewigen Lebens nach dem Tode annimmt, keinen Anspruch auf eine kulturelle und ethische Institution zu machen hat, drängten zu sophistischen Jnterpretirungen des 5. Buches, uni daraus diesen Glauben auch im Mvsaismus zu constatiren. Da man jedoch weder in der mosaischen Gesetzgebung, noch aus irgend welchem Ausspruch aus der Zeit Mose eine Spur gewahr wurde, welche zu der Annahme einer ewigen Fortdauer des Lebens nach dem Tode führen könnte, so suchte man aus der vormosaischen Zeit durch einige dunkle Bibelstellen zu beweisen, daß dieser Glaube bereits bei den Vorfahren bestand, auf Moses überkommen war, und derselbe daher nur durch Stillschweigen von Moses bestätigt zu werden brauchte, denn wozu sollte denn Moses solch' elementare Begriffe erst nochmals seinem Volke wiederholen? Die ohnehin überaus schwachen Stützen für diesen Glauben in der vormosaischen Zeit, werden jedoch gründlich hinfällig durch die mosaische Physiologie des Blutes resp?) des Menschen. „Blut ist ein ganz besonderer Saft", welcher nach Moses den gesamten Organismus (den Nephesch) beherrscht und mit demselben identifizirt,wird. Blut ist der (Nephesch) Organismus?) Der Wille, das Bewußtsein, das eigentliche „Ich" ') Glaubenslehren kennt der Mvsaismus nicht und ßnd daher die 13 Glaubensartikel von Maimonides für das Judentum zum Glück keinesfalls bindend, wie Moses Mendelssohn in seinem Buche „Jerusalem" Berlin 1783 Bd. 11. ©. 56 nachgewiesen, und sind solche mit Recht von anderen Autoritäten wie Albo, Chasdai u. s. w. angegriffen worden. a) Göthe's Faust. Den Pakt mit dem Teufel muß Faust mit «einem Blute unterzeichnen, welches als der dominirende Teil im Organismus denselben direkt dem Teufel überliefert. Diese Auffaffung ist erklärlich, da die Faustsage aus einem hebräischen tkabbalistischen Buche entnommen. Siehe Vorrede zum Faust in der illustrirten Grote'schen Ansgabe. 8) Saalschütz. Geschichte der Unsterblichkeitslehre bei den Hebräern, de Wette bibl- Dogmatik Seite 86 u. 90 hatten zwar hierfür einen starken Glauben, aber nur schwache Beweise und verwickelt sich namentlich Letzterer bei dieser Beweisführung in bedenklich« Widersprüche. B. 1- Cap. 9. V. 5—6.

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