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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-12-01 · Heft 12 (1.12.1895) · p. Seite 278

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 12 (1.12.1895)
Date
1895-12-01
Page
Seite 278 (sequence 14)
Language
German
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(; tigsten Ursachen der Auflehnung gegen die schlimmsten Formen des clericalen und politischen Despotismus. Die Bibel war die Naxna Charta der Armen und Unterdrückten. Bis auf die Gegenwart hatte kein Staat eine Verfassung, in welcher den Interessen des Volkes so ausgiebig Rechnung getragen wird, in welchen die Pflichten der Herrscher gegenüber ihren Rechten so nachdrücklich bej' tont werden, als es in der für Israel entworfenen Verfassung geschieht, welche iin Deuteronomium und Leviticus sich befindet. Nirgends ist die fundamentale l Wahrheit, daß die Wohlfahrt des Staates im Großen und Ganzen vor; der Nechtj schaffenheit der Bürger abhängt, so stark betont. Allerdings schwatzt die Bibel j kein leeres Gewäsche über die Menschenrechte, aber sie besteht auf der Gleichheit der Pflichten, auf der Freiheit, jene Gerechtigkeit zu fördern, welche einigermaßen '! verschieden ist von dem Kanipf um „Rechte", auf der Brüderlichkeit, die Sorge trägt für den Nebenmenschen wie für sich selbst.! „Insofern als Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit unter den demo- - kratischen Prinzipien begriffen sind, welche diese Namen annehmen, ist die Bibel! das demokratischeste Buch der Welt. Als solches begann es durch die heretischen j Secten im Mittelalter den cleriealpolitischen Despotismus von dem Augenblicke j , seines Entstehens im 11. Jahrhundert zu bekämpfen. Papst und König hatten ihre Hände voll zu thun, um die Albigenser und Waldenser im 12. und 13. Jahrs hundert zu unterdrücken; die Lollarden und Hussiten im 14. und 15. Jahrhundert l gaben ihnen noch mehr zu schaffen; seit dem 16. Jahrhundert haben die pro-! testantischen Sekten immer politische Freiheit begünstigt im Verhältnis zu dem l Grade, in welchem sie sich weigerten, außer der Bibel eine endgiltige Autorität j anzuerkennen. I „Jedoch der ungeheure Einfluß, den die heiligen Schriften der Juden : und Christen ausübten, hatte niemals einen notwendigen Zusammenhang mit Cos- - mogonien, Dämonologien und wunderbaren Eingriffen in die Naturordnung. Ihre Stärke liegt in ihrem Appel nicht an dem Verstand, sondern an das sittliche Gefühl. „Ich will nicht sagen, daß auch nur das höchste biblische Ideal alle anderen ausschließt oder eitler Ergänzung nicht bedarf. Ich bin jedoch vollkommen überzeugt, daß die Menschheit noch nicht in der Lage ist und vielleicht niemals in der Lage sein wird, dieses Ideal entbehren zu können." (Science and Christian Tradition New-Iork, Band 5 S. 55.)

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