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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-12-01 · Heft 12 (1.12.1895) · p. Seite 267

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 12 (1.12.1895)
Date
1895-12-01
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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267 liche Gesetze in enger Verbindung stehen und danach gefaßt sind, die soziale Stellung des Volkes, das aus Sklaverei und geistiger Bedrückung zu unumschränkter Freiheit gelangte, zu regeln und zu kräftigen und eine Abwehr zu bilden, sowohl gegen den Mißbrauch dieser jungen Freiheit, als auch gegen den Verkehr mit den das Volk umgebenden Völkerschaften, damit es nicht zurückfalle in deren Sitten und Gebräuche und es möglich werde, diese unkultivirte Menge zu einem Volke zu erziehen und zu erheben! Die soziale Gestaltung jener Masse, die von keinem Selbstbewußtsein getragen und erfüllt sein konnte, hat f. Z. gewiß eine ebenso wichtige Rolle gespielt, wie sie heute für uns von allen die Welt bewegenden Fragen das meiste Interesse für sich in Anspruch nimmt und nehmen muß; greift sie doch in alle Lebensverhältnisse und Gesellschaftsklassen ein und nur wenn alle mit arbeiten und mit arbeiten können die Gegensätze zu versöhnen, dürfte es möglich werden, aus der Übergangsperiode in der wir uns befinden, in die sich vorbereitende Umgestaltung friedlich zu gelangen und in eine neue Zeit befriedigend und zum Wohle der gesammten Menschheit einzutreten. Ehe ich nun mein eigentliches Thema berühre gestatten Sie mir, Ihnen die Ansichten und Meinungen verschiedener hervorragender Männer über das mosaische Gesetz zu citiren. In einer seiner Schriften sagt der verstorbene Dr. Nehemias Brüll, daß das jüdische Gesetz Verkündigungen enthalte, für welche ein großer Teil der Menschheit heute noch nicht reif und enipfänglich sich gezeigt hat, weil sie eben, trotz allen Fortschritts noch weit entfernt ist von dem Ziele, wohin die mosaische Religion die Menschheit bringen will! Und er erläutert weiter, daß wir nirgends Mahnungen, die alle Feindschaft bannen, allen Zwiespalt tilgen, allen Haß entwurzeln wollen, Völkerfrieden und Verbrüderung aller Menschen herbeizuführen bestimmt sind, kräftiger ausgesprochen finden, als in den Gesetzen des Judentums! Einen weiteren und gewiß nicht voreingenommenen Zeugen für das alte Testament führe ich Ihnen in dem bekannten Prediger der Christuskirche in Berlin — Paulus Cassel — vor, der in seiner Abhandlung „Erbsünde und Sozialismus" schreibt: „Das alte Testament ist kein Anekdoten-Buch, sondern ein Lehrbuch, auch wo es schlicht erzählt, ist die Lehre seine Absicht und Ziel! Es will — und das ist wissenschaftliche Notwendigkeit — verstanden werden, aus dem Geiste, aus welchem es geschrieben ist." Habe ich Ihnen mit vorstehend Gesagtem theologische Urteile vorgeführt so gewähren'Sie mir noch so viel Zeit um Sie auch mit demjenigen des Historikers bekannt zu machen. Professor Grätz schreibt in seiner „Geschichte der Israeliten aus der ältesten Zeit bis auf die Gegenwart": (Vorrede B, VIII.)

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