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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-11-01 · Heft 11 (1.11.1895) · p. Seite 258

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 11 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
Seite 258 (sequence 18)
Language
German
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258 kümmert sich nicht um den größten Teil der Sabbathgebote, wenig nm die strengen Chamezvorschriften und gar nicht mehr um die Speisegesetze, es ist ihm jedoch selbstverständlich, daß der Rabbiner alle diese Vorschriften strenge einhält. Wenn sie aber göttliche religiöse Vorschriften sind, dann müßte sie jeder auf gleiche Weise halten, wenn sie es nicht sind, warum muß sie der Rabbiner beobachten? — Am l. September 1895 ist in Sadagora, dem Hauptsitze des Chassidismus, die Baron Hirsch-Stiftungsschüle eröffnet worden. — Man berichtet uns: Se. Majestät der Kaiser, welcher sich in Budweis zu den Manövern aufhielt, hat unter anderen Corporationen auch den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Kreisrabbiner Herrn A. Wunder empfangen. Auf die Ansprache des Letzteren erwiderte der Kaiser: „Ich danke Ihnen für die Versicherung treuer Ergebenheit, versichere Sie auch weiterhin Meines landesväterlichen Schutzes und bin überzeugt, daß Sie bei Ihren Glaubensgenossen die Anhänglichkeit an Mein Haus und an das Reich stets treu pflegen werden." Bei seiner Rundfahrt durch die Stadt kam der Kaiser zu der neu im gothischen Style erbauten Synagoge. Dort brachte dem Kaiser die israelitische Cultusgemeinde ihre Huldigung dar. Herr Kreisrabbiner Wunder und die Mitglieder der Gemeinde standen im Halbkreise aufgestellt auf dem Platze vor der Synagoge. — Die israelitische Religionsgemeinde in Debrezin verkaufte die alte Synagoge an ein katholisches Kloster, um einen neuen, den Bedürfnissen entsprechenden Tempel bauen zu können. — Am 27. August starb in Wien Frau Paula Frankl v. Hochwart, die Wittwe des Dichters Ludwig August Frankl. — Friedrich Hebbel, der mit L. A. Frankl auf dem israelitischen Friedhofe in Wien war, als Mosenthal's Frau beerdigt wurde, äußerte, als er daselbst von Sulzer die hebräischen Gebete recitieren hörte: „Ich hörte heute zum ersten Male die Laute der Bibel in der Ursprache. Es ist wunderbar, eine Sprache aus Jahrtausenden an das Ohr schlagen zu hören. Weil sie an ihrer Sprache festhalten, sind die Juden ewig. Kein Volk der Erde hat ein Dokument aufzuweisen wie es das alte Testament ist. Die Juden können noch reden, wie Mose sprach, mit denselben Worten und Wendungen. Mir ist, als verstünde ich mehr die vom Prediger in der Ursprache gesprochenen Bibelverse als die, welche er deutsch vorträgt." — Man berichtet uns: In Szegled wurde in Abwesenheit des jüdischen Predigers Herr Dr. Klein, der dortige evangelische Pfarrer berufen, um am Grabe eines Vorstehers der dortigen israelitischen Gemeinde die Leichenrede zu halten. — Ihre Exzellenz Frau Helene Freiin v. Gablenz-Eskeles, k. und k. Geheimrats- und Generalswittwe in Wien, ist — so berichtet das Amtsblatt der „Wien. Ztg." lakonisch — wegen Verschwendung unter Kuratel gestellt. Helene Freiin v. Gablenz-Eskeles ist die Wittwe des Feldzeugmeisters Ludwig Freiherrn von Gablenz, der am 30. Januar 1874 in Zürich durch Selbstmord geendet hat. — In Troppau fand jüngst die feierliche Grundsteinlegung des 'neuen Tempels statt. Herr Rabbiner Dr. Blüh hielt ans diesem Anlasse eine erhebende Ansprache. —

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