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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-11-01 · Heft 11 (1.11.1895) · p. Seite 259

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 11 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
Seite 259 (sequence 19)
Language
German
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— 259 Die Gemeindevertretung von St. Wolfgang hat den Bauunternehmer und Ingenieur Herrn Joseph Stern aus Wien in Würdigung der großen Verdienste, die er sich um das Aufblühen und Gedeihen des Alpencurortes erworben hat das Ehrenbürgerrecht verliehen und die bisherige Gemeinde-Allee „Stern-Allee" benannt. — In Pilsen starb der einer. Rabbiner Herr Kohn Steiner im 88. Jahre seines Lebens, ein Schüler des berühmten Preßburger Rabbiners Moses Sofer s. A. — Bekanntlich sind im Salzburgischen, in Ober- und Niederösterreich die größten Antisemiten zu Hause. Da ist es nun interessant aus einem neuen Buche: Geschichte der Deutschen in Österreich-Ungarn von Gustav Strakosch-Graßmann (Wien 1895 Bd. 1. S. 432 ff.) zu erfahren, daß zu einer Zeit, wo das Deutschtum in jenen Gegenden noch auf sehr schwachen Füßen stand, die Juden schon dort 'gelebt und für die Kultur gewirkt haben. Schon unter dem Erzbischof Arno (798) hören wir von einein jüdischen Arzt, der offenbar einen bedeutenden Ruhm in jener Gegend genoß, denn der Erzbischof ersucht dringend zugleich mit einem anderen Bischof, ihm den Mann zuzusenden. Seit dem Anfang des neunten Jahrhunderts, also seit Ludwig dem Deutschen, werden in erster Linie immer Juden als berufsmäßige Kaufleute benannt, die sich um die Entwickelung von Handel und Wandel in jener Zeit Verdienste erworben haben. — In Nanterre starb am 24. März der Dichter und Gelehrte Victor Giavi, geb. 1849 zu Livorno. Er war 1869 Lehrer des Hebräischen in Nizza, 1875 kam er nach Paris und ließ sich später in Nanterre nieder. Er war ein Mann, erfüllt von Reformgedanken, für die die israelitischen Zeitgenossen kein Verständnis hatten. Er schätzte die Bibel hoch, aber noch höher stand ihm die Vernunft. August 1893 schrieb er: „Ich kann mich der glücklichen Gleichgültigkeit nicht überlassen, welche die Mehrzahl unserer Zeitgenossen einschläfert. Man kann sich mit niemand über diese innern Ängste unterreden. In diesem stumpfsinnigen und gewissenlosen zu Ende gehenden Jahrhundert würde sie niemand verstehen". — In Frankreich ist durch die Initiative des Herrn Großrabbiners Zadoc Kahn eine Hilfscasse für das französische Rabbinat begründet worden, die bereits die behördliche Genehmigung erhalten hat, als Witwen- und Waisenkassen für die Hinterbliebenen der französischen Rabbiner, die von den Beiträgen der letzteren selbst erhalten werden soll. Es sott jeder staatlich angestellte Rabbiner zwei Prozent seines Gehaltes als Beitrag für diesen Fonds leisten, wogegen seine Hinterbliebenen im gegebenen Fall ein Recht auf Unterstützung erhalten. — Im Ministerrat in Paris berichtete jüngst der Kriegsminister General Zurlinden über eine neue hochherzige Schenkung der bekannten Wohlthäterin Frau Furtado-Heine. Sie hat ihre prächtige Villa in Nizza, die ehedem der Prinzessin Pauline Borghese, Schwester Napoleons I. gehörte, samt einer erheblichen Rente dem Staate zu dein Zwecke geschenkt, ein Rekonvaleszentenhaus für 50 Offiziere daselbst zu errichten. — In London wird die Reform angestrebt, daß IFranen in Synagogen

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