Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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256 des Nabbinats für ein Jahr betraut. — Der Rentier Wolffsohn in Breslau hat seiner Heimatsgemeinde Jnowrazlaw ein Legat von 500,000 Mark zugewendet -mit der Bestimmung, dafür ein jüdisches Waisenhaus daselbst zu erbauen. In dem Waisenhanse sollen 20 Kinder aus der Stadt Jnowrazlaw sowie aus der Provinz Posen Aufnahme finden. — Der in Berlin verstorbene Bankier Albert Arons hat der jüdischen Gemeinde in Bromberg 200,000 Mk. und ein Grundstück im Werte von 90,592 Mk. zur Begründung einer Altersversorgungsanstalt vermacht. Nunmehr ist die kaiserliche Genehmigung zur Annahme dieser Zuwendung erteilt worden. — Zum evangelischen Glauben übergetreten ist Herr Kommerzienrat Caro in Glciwitz. — Das Allerneueste ans dem Gebiete des praktischen Antisemitismus leistet das Restaurant des Hotels zum „Kölner Hof" in Frankfurt a- M. Daselbst wird das Bier in Gläsern mit dem Stempel „Kauft nicht bei Juden" kredenzt. — Auf dem jüdischen Friedhofe in Grabow (Regier.- Bez. Posen) sind jüngst von ruchloser Hand 10 Leichensteine von den Grabhügeln gerissen, nmgeworfen und dabei 2 Stück zerschmettert worden. Die dortige jüdische Gemeinde hat auf die Ermittelung der Missethäter eine Belohnung von 100 Mk. ansgesetzt. — Zu wüsten Scenen kam es am 3. Septeniber in Gelsenkirche» vor dem Hause des israelitischen Bürgers I. Block, dessen Tochter ihren Hochzeitstag feierte. Hunderte von Menschen hatten sich vor dem Hause in der Friedrichstraße eingefunden und bombardierten es mit allen möglichen Gegenständen, so daß bald keine einzige Scheibe der der Straße zugekehrten Fenster mehr ganz war. Sogar die Rvlljalousien der Schaufenster wurden zerschlagen und die wertvollen Spiegelscheiben zertrümmert. Dabei wurde die Menge durch antisemitische Hetzrufe angefeuert. Da die Polizei viel zu schwach war, um gegen den Pöbel etwas ausrichten zu können, dauerte der Tumult bis gegen 2 Uhr Nachts. — Alls der Villa des Barons Willy von Rothschild in Königstein fand am 8. September Mittag große Galatafel statt, zu welcher die Kaiserin Friedrich mit Gefolge und der Prinz von Wales eingetroffeil waren. Nach der Tafel pflanzten die hohen Herrschaften im Nothschild'schen Park je einen Bauni. — In der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins, „Neue Folge", I. (1886) teilt Prof. Eberh. Gothcin in einem Aufsatze: „Die oberrheinischen Lande vor und nach dem 30jährigen Kriege", S. 12 f. Folgendes mit: „Am Oberrhein um das Jahr 1600 wird den Juden der Wucher untersagt. Aber die christlichen Bürger treiben es mindestens ebenso arg. Besonders ward die schlimniste Art des Wuchers, die noch jetzt nicht ausgerottete Viehverstellung, von ansehnlicheren Herren, Adeligen und Amtsleuten geübt, so daß ein biederer Statthalter im Snndgau diese geradezu als „die Dachmarder und Häuserfresser" bezeichnet. — Besondere Beachtung verdienen die am 3. September, anläßlich des großen Festbankets in der Stadthalle zu Creseld, von Oberst von Carlowitz in seinem Kaisertoaste gesprochenen Worte: „Wir wollen unser Herz erheben an dem herrlichen Schauspiel deutscher Einigkeit,