Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 Gottesbegriff im Mosaismus? Es lag mir jedoch fern eine Kritik zu üben über die verschiedenen Lebensanschauungen (diese kann ich dem Forum der Wissenschaft überlassen), ebensowenig wollte ich Nachweisen, daß der Glaube an ein ewiges Leben nach dem Tode im Mosaismus nicht existiert da dieses bereits von vielen Bibelforschern anerkannt ist, sondern ich hatte es mir lediglich zur Aufgabe gemacht zu überzeugen, daß eine solche Annahme mit dem Mosaismus unvereinbar ist. Im Mosaismus kann nicht Einer, vielweniger Jeder nach seiner Facon seelig werden, denn der Mosaismus gestattet ebensowenig: daß Jeder alles essen darf, was ihm schmeckt, wie daß Jeder alles glauben darf, was ihm behagt (z. B. Vielgötterei und Mystik). Der Mosaismus verlangt ebenso gesunde physische wie psychische Nahrung und hält das Schädliche beider Genüsse für den Einzelnen zugleich für gemeinschädlich. Hierin zeigt sich die logische Consequenz der wunderbaren mosaischen Gesetzgebung. Durch Gespensterfnrcht, Mystik aller Art, Hölle und Teufel, wird die Entwicklung eines Menschen, namentlich in der Jugend so gehemmt, daß körperliche Erkrankungen dadurch entstehen, ebenso wie durch ungesunde Speisen und Getränke der Geist irritiert und zum logischen Denken unfähig wird. In einem gesunden Körper kann nur ein gesunder Geist wie in einem gesunden Geist nur ein gesunder Körper bestehn. Das zeigt die Unzertrennlichkeit des menschlichen Organismus im Gegensatz zum Dualismus von Körper und Seele. Wenn jedoch Jeder nach seiner Facon seelig werden könnte, dann wäre es doch in doppelter Facon unmöglich, denn man kann nicht Monotheist nnd Polytheist, Realist und Mystiker, Optimist und Pessimist, Mosaist und Platonist zu gleicher Zeit sein. Für den Mosaismus ist der Glaube an ein ewiges Leben nach dem Tode durch Unsterblichkeit der Seele nicht zulässig und diese Erkenntnis macht den Mosaismus unsterblich! (Fortsetzung folgt.) Aus seltenen Schriften über Inden und Judentum. i. Im Besitze einer seltenen fast 500 Nummern enthaltenden Sammlung von Schrifteil über Juden und Judentum, die wir im Laufe vieler Jahre uns aus den verschiedensten Catalogen, die uns zugingen, anschafften, wollen wir an die Verwertllng derselben durch ausführliche Mittheilungen in diesen Blättern Herangehen, weil dieselben nicht nur Helle Streiflichter auf die Kulturzustände vergangener Tage werfen, sondern auch weil sie manch unbekanntes Material zur Geschichte der Juden enthalten. Durch genaue Angabe der Titel der einzelnen Bücher und Brochüren werden diese Mitteilungen auch für Bibliographen sich