Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Glück auf Erden nur als Utopie gelten kann, denn wer in dem Lande zufrieden lebt, in welchem er wohnt, der wird sich nicht nach einem andern Lande sehnen, in welchem er sein Glück zu finden hofft. Nur die Hoffnungslosigkeit ein glückliches Leben in seinem jetzigen Wohnorte jemals begriinden zu können, läßt ihn sehnsuchtsvoll in die Ferne schweifen, in welcher durch seine Phantasie, „der Himmel voller Geigen" hängt. Ein ewiges Leben nimmt der Mosaismus nur für die Allmacht an (Elohim der Plural von El als Concentration aller Mächte und Kräfte), welche weder an Raum noch an Zeit gebunden, ohne Anfang und ohne Ende ist, als die erste und letzte Ursache alles Bestehenden im Cosmos, sowie des Cosmos selbst, und verbietet seinem Volke sich von dieser Allmacht eine Vorstellung zu machen, nach irgend einem für unsere Sinne wahrnehmbaren Gegenstände (B. v*. Kap. 4, V. 16—19) während alles Andere als Schöpfungobjekte mit einem Anfänge, folglich auch mit einem Ende zu betrachten ist. Zu dieser Annahme zwingt uns ein Causalitätsbedürfniß (welches mit einem metaphysischen Bedürfniß nicht identisch ist) wie Dubois Reymond sich ausdrückt, wobei wir an die Grenze unserer Naturkenntnis gelangen, eine Grenze, die wir niemals überschreiten können und durch unsere Forschungen zu dem Ausruf „Jgnorabimus" gezwungen werden. Vor dem Forum der heutigen Wissenschaft kann demnach der Mosaismus bestehen, namentlich was die Nichtannahme einer platonischen Seele betrifft, da eine solche „Kraft ohne Stoff" von der Wissenschaft als undenkbar erklärt wird. Die Zersetzung des Mosaismus, durch eingedrungeue fremde Lehren, zeigt sich am grellsten in den jüdischen Gebeten. So lautet es z. B. im Nachtgebet: Zu meiner Rechten Michael, zu meiner Linken Gawriel, vor meinem Antlitz Auriel, hinter mir Raphael und zu meinem Haupte der heilige (göttliche) Geist. Hier steht die griechische Mythologie in vollster Blüte, da nach der Etymlogie dieser Wörter Specialgötter darunter verstanden werden: Gewer-El, Gott der Kraft (Hercules); Auri-El, Gott des Lichts (Phöbus); Rapha-El, Gott der Heilkunst (Aesculap) u. s. w. Michael (wohl anstatt Cheth durch Druckfehler in Kaph verwandelt) Mechaje-El, Gott der Lebenskraft (Prometheus). Der Ursprung dieses Gebetes ist auch in dem antimosaischen Pessimismus zu suchen, welcher Angst und Furcht vor dem Schlafe einflößt und diese Schutzgötter zur Hülfe ruft, während für den optimistischen Mosaismus ein reines Gewissen ein sanftes Ruhekissen bilden dürfte. Im Judentum ist auch ein Sprichwort geläufig: „Wer Furcht hat der spreche das Nachtgebet". Auch in den Sprüchen unserer Väter, welche viel Vortreffliches enthalten, wird von einer Hölle (Gehinom) erwähnt zu welcher doch wohl als Beherrscher derselben ein Satan gehört, der sich auch in manchen Stellen vorfindet. In einem Gebet wird der Himmel als Olymp geschildert, in welchem Gott auf einem Thronsessel residirt, von Seraphim umgeben rc. (Traumgestalten des Jesaias» Jesaias, Kap. 6, V. 2.) Wie verträgt sich diese Vorstellung mit dem vorerwähnten reinen