Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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247 deutung trotzdem Josef in Ägypten glänzende Erfolge dnrch seine Traumdeutung erreichte, Totenbeschwörer, Hexen re.) wie die Vielgötterei verabscheut, wird daher von Gegnern der mosaischen Lehren für unvernünftig gehalten! Wenn die mosaischen Lehren mehr ins Judentum eingedrungen wären, dann könnte das jetzige Thvragebet „Gelobt sei die Allmacht, welche uns eine Lehre der Wahrheit gegeben, in welche ein ewiges Leben eingepflanzt ist", nicht bestehen, da diese Fassung auf das menschliche Leben bezogen wird, welches in der Thora nicht enthalten ist; es müßte heißen: „welcher eine ewige Lebensfähigkeit eingepflanzt ist." Wie soll das jetzige Gebet, angesichts der Thora, von Juden verstanden werden, welche nur einigermaßen bibelkundig sind? Diese haben aus der Bibel entnommen, daß durch den Genuß der verbotenen Früchte vom Baume der Erkenntnis das ewige Leben für die Menschheit verbüßt worden ist (B. I., Kap 3, B. 19). Sollte nur der Körper allein zu Staub werden aus dem er entstanden, während die belebende bewegende Kraft, welche dem Menschen eingehaucht worden ist, als selbständige Seele fortleben könnte, dann wäre eine solche Trennung durch den Tod als ein Segen, aber nicht als ein Fluch zu betrachten, da die Seele sich hierdurch von ihrem lästigen staubigen Körper befreit und sich buchstäblich aus dem Staube gemacht hätte. Viele Neger, welche an ein besseres Jenseits glauben, führen auch in der That Selbstmord aus und töten auch ihre Kranken, Verwandten uni hierdurch schneller ans dem irdischen Jammerthal in das himmlische Paradies zu gelangen (Meiners, Allg. Krit. Geschichte der Religionen B- II., 765 f.) Woher haben alsdann die Nachfolger Adams ihre Seele, wenn solche in natura, nach dem Tode Adams wieder zu Gott zurückgekehrt ist? Jedem Neugeborenen müßte dann wieder eine neue Seele eingehaucht werden, denn ein solches Abstractum von Seele kann doch nicht fortpflanzungsfähig sein! Über Leben und Tod herrscht im Mosaismus vollständige Klarheit, da derselbe wie vorher bemerkt, nicht in Untersuchungen eingeht, welche außerhalb unserer Sphäre liegen: ob etwa der Staub als ewige Materie in chemische Verbindungen eingeht, ans denen sich Organismen entwickeln, oder ob die Lebenskraft nach dem Tode sich mit einer Weltseele verbindet: Dieselbe bewegende Lebenskraft, welche dem Menschen eingehaucht wurde, besitzt auch das Tier, denn es heißt: „Alles, was den lebendigen bewegenden Atemhauch in der Nase besitzt, ist durch die Sündflut (außerhalb der Arche Noah's) vernichtet worden (B. I., Kap. 7, V. 22), worunter doch nicht lediglich die Menschheit, sondern auch das Tierreich verstanden werden muß. Die seeptische Frage im Buche Kohelet „Wer weiß, ob die Seele des Menschen nach der Oberwelt und die des Tieres nach der Unterwelt gelangt", kann im Mosaismus nicht aufgeworfen werden, da beide Organismen als vorübergehende Erscheinungen auf der Welt zu Staube werden. Auch der Glaube an ein ewiges Leben nach dem Tode, wurzelt in dem antimosaischen Pessimismus, welcher die Erde für ein Jammerthal hält, wonach ein