Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 was der Mann war, was er bedeutete, was die gelehrte Welt verloren, und dann kollerten die Erdschollen auf den schlichten Kasten, der die Hülle eines großen Gelehrten umschließt. Friede seiner Asche! Wo sängt der Wosaismus an und wo Hört er auf? (Antimosaisches im Judentum.) Von Martin Kornfeld. (Fortsetzung.). Das eingehende Studium der mosaischen Lehren ist nicht nur jedem Juden gestattet, sondern dasselbe wird ihm zur Pflicht und förmlichen Lebensaufgabe gemacht (B. V., Kap. 6, V. 6—9), denn der Mosaismus bildet keine Geheimlehre für Priester (wie solche bei den Ägyptern bestand) sondern die mosaischen Lehren sollen als Volkslehren für Jeden zugänglich und verständlich erachtet werden: sie liegen wie das Gute so nahe, weder über der Erde im Himmel, noch jenseits der Meere (B. V., Kap. 30, V. 11—14) ebenso ist die Heiligkeit kein Privilegium Einzelner, sondern das gesamte Volk soll durchbildet und auf die höchste Stufe der sittlichen Kultur gebracht werden, wodurch dasselbe als ein gebildetes, freies, auserwähltes heiliges Volk gelten soll (B- III, Kap. 20, V> 6; B. V., Kap. 14, V. 2) (ein Am Kodefch), im Gegensatz zu andern rohen Völkerschaften, welche noch zum Teil Menschenopfer dem Moloch darbrachten u. s. w. Der Mosaismus will demnach durch seine Lehren, die Jeder prüfen kann und soll (B. V., Kap. 1, V- 17) also nicht durch blinde Glaubenslehre (Dogmatik) sondern auf Empirie begründete wissenschaftliche Thatsachen, Moral, Freiheit und Gleichheit (B. V., Kap. 30, V. 15) im Volke bilden, lim das Ziel „die menschliche Wohlfahrt auf Erden" zu erreichen. Dieser wesentliche Grundzug im Mosaismus muß bei meiner Erörterung besonders festgehalten werden, da bei vielen gebildeten Gelehrten und selbst Theologen die Allsicht besteht, daß die Wissenschaft wohl die Religion der Gebildeten sein kann, während der blinde Glaube die Religion der ungebildeten rohen Volksmasse bleiben niuß. Sie deducieren, daß dieselben Wahrheiten sowohl in der Religion als auch in der Wissenschaft enthalten sind, daß jedoch diese gleiche Substanz nicht Allen in einem gleichartigen Gefäße verabreicht werden darf. Das ist antimosaisch! und in der pessimiatischen Lebensanschauung begründet, welche im Gegensatz zum mosaischen Optimisnius, daran verzweifelt, daß jemals die Volksmasse durch Vernunftlehren gebildet werden kann und die Moral in dieser rohen Vvlksmasse nur durch Mystik zu erreichen ist. Eine solch' mosaische Vernunftreligion, welche ebenso die Mystik (B. III., Kap. 20, V. 6; B. V., Kap. 18, V. 11—12) (Traum-