Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-11-01 · Heft 11 (1.11.1895) · p. Seite 244

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 11 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2969669-2969809-2969821--4605-2973874
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

unseres Vaterlandes, ja selbst außerhalb Deutschlands gefunden hat, ist der glänzendste Beweis für die Vortrefflichkeit des Werkes. Freiwillig, ohne äußeren Zwang haben die Gemeinden das Buch emgeführt; dasselbe ist bereits zahlreichen Glaubensgenossen als Gebet- und Erbauungsbuch lieb und wert geworden. Dieser Erfolg erklärt zur Genüge die Gehässigkeit unserer Gegner, und die unduldsame Gesinnung, die aus den meisten der sogenannten „Gutachten" spricht, beweist nur, wie sehr man in orthodoxen Kreisen die werbende Kraft unseres Gebetbuches fürchtet. Der Ausschuß des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens. M. Katzenstem-Bielefeld, Vorsitzender. I. Steillberg-Münster i. W., stellvert. Vorsitzender. F. Koblenz-Bielefeld. S. Frennd - Dortmund. I. Goldschmidt-Dortmund. H. Lanbheim- Bochum. A. Levi-Haaen i. W. M. Liebenfeld-Bochum. S. Löwenstrin-Rietberg. S. Neukamp-Soest. I. Ostwald-Witten. W. Schönbeck-Rieheim. Was K. Schorr. Am 2. September wurde in Brody Herr Osias H. Schorr, einer der bedeutendsten Gelehrten und Kritiker unter den Jllden in diesem Jahrhundert unter sehr geringer Beteiligung zu Grabe getragen. Von mächtiger Liebe zur Wahrheit erfüllt, führte er eine scharfe Feder, die sich in ein Schwert umwandelte, wenn es galt, der Beschränktheit, Seichtheit und Oberflächlichkeit entgegenzutreten. Sein hebräischer Stil erhob sich zur Classicität, wenn er gegen die Heuchler und Dunkelniänner anftrat, die die Geißel seiner Satyre oft hart fühlen mußten. Mit einem seltenen Freimute trat Schorr für die Aufklärung der Juden in Galizien ein und war darum den heftigsten Anfeindungen ausgesetzt. Er entstammte einer hochansehnlichen Kanfmannsfamilie aus Brody. Zu seinem Hochzeitstage widmete ihm Samuel David Luzzatto eine Ausgabe von Jehuda Halevis Gedichten. Er gehörte mit seiner classischen Wirksamkeit der Sturm- und Drangperiode der jüdischen Geschichte an, in der Männer wie Krochmal, Rappoport, Perl, Mises und Erter den Kampf mit dem Chassidismus aufnahmen. In den Jahren 1852—1880 gab er in 11 Jahrgängen seine Zeitschrift „Hechaluz" heraus, an welcher Männer wie Abraham Geiger, Abr. Krochmal und Pineles u. n. A. mitarbeiteten. Er schrieb ein classisches Hebräisch und ' war er wie kein zweiter, da ihm auch eine niederschmetternde Satyre zu eigen war, berufen, die Lächerlichkeit der Orthodoxie im Lichte der Wissenschaft nachzuweisen. Unvergessen bleibt seine Blumenlese aus der Responsenlitteratur, die er mit kritischen Bemerkungen begleitete. Wir lassen hier die Worte des Schriftstellers Leo Herzberg-Fränkel folgen, die er unter dem frischen Eindrücke des Todes von Osias H. Schorr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.