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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-11-01 · Heft 11 (1.11.1895) · p. Seite 243

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 11 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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— 243 — „Produkt der Unfähigkeit", „frevelhaftes Attentat gegen unser Religionsgesetz", „Keckheit, das vorliegende Gebetbuch als ein jüdisches ausgeben zu wollen" u. s. w. 5) Tie ganze sog. Gutachtensainmlung ist ein Werk der ultraorthodoxen Partei. Denn das Schriftchen ist, wie der Herausgeber in seinem geschmackvollen Deutsch sagt, „unter Subventionirung der freien Vereinigung zu Frankfurt a. M." veröffentlicht worden. Diese sog. „freie Vereinigung" ist eine Verbindung, die nur zur Förderung streng orthodoxer Bestrebungen Mittel zur Verfügung stellt. . 6) Wir westfälischen Juden aber haben mit derartigen Bestrebungen nichts gemein. Wir erklären uns vielmehr ausdrücklich einverstanden mit den Grundsätzen, nach welchen Herr Rabbiner Dr. Vogelstein und vor ihm Männer, wie Geiger und Stein, bei der Bearbeitung des Gebetbuches vorgegangen sind. Wir wünschen keine Rückkehr nach Jerusalem. Wir wünschen keine Wiederherstellung des alten Opferkultus, gegen den schon die Propheten mit Feuereifer gewettert , haben. Was wir aber nicht wünschen, das soll auch nicht in unserem Gebete zum Ausdruck kommen; sonst machen wir uns einer Heuchelei schuldig, die einer Verhöhnung des göttlichen Namens gleichkommt. Nach unserer Auffassung — und wir wissen uns darin eins mit unseren gebildeten Glaubensgenossen in ganz Deutschland — liegt das Wesen unserer Religion auf ganz anderem Gebiete. Unsere Grundlehren und Grundwahrheiten sind der Glaube an Gott und die hohe Sittlichkeit, welche die Bibel uns zur Pflicht macht. Die wollen wir durch unsere Bestrebungen fördern und festigen. Deshalb unterstützen wir leistungsunfähige Gemeinden, um ihnen die Einrichtung eines geordneten Religionsunterrichtes zu ermöglichen; deshalb ließen wir einheitliche Pläne für den Religionsunterricht ausarbeiten, welche von der Behörde genehmigt wurden und auch außerhalb unserer Provinz Einführung und Anerkennung gefunden haben; deshalb richteten wir die regelmäßige Schulinspektion ein; deshalb endlich beauftragten wir Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein mit der Bearbeitung des neuen Gebetbuches. Wir wollen also nicht niederreißen, sondern aufbauen und festigen, was uns Allen heilig und teuer ist. Aber wir sagen uns öffentlich los von den Bestrebungen der jüdischen Orthodoxie. Wir haben nichts gemein mit den Männern, deren sehnsuchtsvollster Wunsch die Rückkehr nach Palästina und deren Jdealgottesdienst der Opferkultus ist. Unsere Auffassung des Judentums.ift eine andere als die ihrige, das wollen wir einfür allemal feststellen. Deshalb aber bestreiten wir auch jenen Männern das Recht, sich in unsere Angelegenheiten zu mischen. Wir sind selbständig und bedürfen keiner orthodoxen Bevormundung. Sechsunddreißig Gemeinden gehören zur Zeit unserem Verbände an, und der Beschluß, auf Grund dessen Herr Rabbiner Dr. Vogelstein das Gebetbuch bearbeitet hat, ist einstimmig gefaßt worden. Die freundliche Aufnahme, welche das Buch nicht allein innerhalb unserer Provinz, sondern auch in weiten Kreisen

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