Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 . angegriffen und verlästert wird, so hat das wohl lediglich in dein Umstande seinen Grund, daß das Buch von vornherein eine Verbreitung gefunden hat, wie sie keinem anderen Gebetbuche in so kurzer Zeit zu Teil geworden ist. Die Orthodoxie fürchtet offenbar vor dem Buche eine Erschütterung ihrer Position in weiten Kreisen, und das allein ist der Grund ihrer maßlosen Angriffe. 2) Unter den 50 angeblich „bedeutendsten Rabbinern des In- und Auslandes" befindet sich nicht ein einziger von hervorragender Bedeutung. Außer Hannover und Hamburg, deren Rabbiner der hochorthodoxen Richtung angehören, ist keine große Gemeinde Deutschlands durch ihren Hauptrabbiner vertreten. Die meisten Gutachter sind entweder unbekannte Rabbiner unbedeutender Gemeinden — wir nennen hier nur Oie Namen Bereut, Pinne, Schildberg, Znin, Schrimm, Koschmin, Kitzingen, Schönlanke, Pasewalk, Rogasen, Prenzlau u. s. w. — oder sie sind überhaupt keine Rabbiner, wie der Cnltusbeamte Weiler aus Paderborn, oder sie sind Rabbiner othodoxer Separatgemeinden, wie Dr. Plato-Köln, Dr. Bondi-Mainz, Dr. Marx-Darmstadt, Dr. Kahn-Wiesbaden, Dr. Breuer- Frankfurt, Bnttenwieser-Straßburg, Dr. Bamberger-Bingen, Dr. Schiffer-Karlsruhe und Dr. Hirschseld-Gießen; alle zuletzt genannten Männer haben mit den Hauptgemeinden der betreffenden Städte nichts zu thnn, sondern verdanken lediglich dem Zwiespalt, der von einigen orthodoxen Separatisten in die Gemeinden hineingetragen wurde, ihre Existenz. Von alten Gutachtern endlich gehört nicht ein einziger, der mittleren oder freiereu Richtung an; sie sind ausnahmslos Vertreter der krassesten Orthodoxie. Angesichts dieser Thatsachen erklären wir es für eine unerhörte Anmaßung und Überhebnng, die Gutachter als die „bedeutendsten Rabbiner des In- und Auslandes" zu bezeichnen. Sollen Gutachten für uns Wert und Bedeutung haben, so verlangen wir, daß sie wirklich auch von Männern von Bedeutung herrühren, so fordern wir mindestens, daß die Rabbiner der Haupt- Gemeinden Berlin, Frankfurt a. M., Königsberg, Mainz, Karlsruhe, Wiesbaden, Mannheim, des Hamburger Tempelverbandes u. s. w. n. s. w. unter den Gutachtern vertreten sind. 3) Einzelne der Gutachten sind in so schlechtem Deutsch abgefaßt, daß sie schon um dessentwillen bedeutungslos erscheinen. Wir verweisen insbesondere auf das Gutachten des Landrabbiners Dr. Löb aus Emden, das wegen seines schlechten Stiles überhaupt unverständlich ist. Vergleiche auch den Schlußpassus in dem ersten Absätze des Lerner'schen Gutachtens und den konfusen Satz in dem Gutachten des Dr. Königsberger aus Pasewalk: „Es ist somit eine irrthümliche Auffassung" u. s. w. 4) Fast alle Gutachten enthalten nur allgemeine Phrasen uttb nichtssagende Redewendungen; von eingehender, sachlicher Kritik kann nirgends die Rede sein. Zudem ist der Ton fast durchweg ein unwürdiger. Wir verweisen nur auf Ausdrücke, wie „Vandalismus", „unreifes Denken", „jämmerliche Gesinnung",