Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1895)
- Date
- 1895-10-01
- Page
- Seite 234 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969809-2969820--4594-2973862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
234 Anstalt dankt ihr Entstehen Hrn. Moritz Rohr in Berlin, welcher der Synagogengemeinde Posen den Betrag von 600,000 Mk. zur Errichtung jener Anstalt überwiesen hat, die das Andenken seiner Eltern verewigen sott. — Am 20. Mai waren 50 Jahre vergangen, seit die Versorgungs-Anstalt für Israeliten in Frankfurt a. M. durch Senatsbeschluß als juristische Person anerkannt wurde. Am 10. Juni 1845 wurde die Anstalt in einem von der Israelitischen Krankenkasse gemieteten Hause mit einem Pfründner eröffnet. Am 1. Dezember 1852 wurde ein eigenes Haus (Wallgraben 8) erworben und bezogen, das 1890 einem den hygienischen Anforderungen der Neuzeit entsprechenden Neubau wich. Seitdem ist die Zahl der Pfründner bis auf 28 gestiegen. -- Wie einst ein Rabbiner den Mut hatte, öffentlich für seine Überzeugung einzutreten, mag Nachfolgendes bezeugen. Als einst die Bewohner von Soklow unter der Choleraepidemie zu leiden hatten, forderte der Rabbiner die jüdische Geineinde auf, am Versöhnungstage nicht zu fasten. Die Juden waren höchst erstaunt darüber und ließen sich mit ihm in Erörterungen ein, worauf sie zum Schluß die Ansicht aussprachen, es möge, wer Lust habe, zu Hause gegen das Verbot sündigen, der Rabbiner möge jedoch öffentlich nicht dazu ermuntern. Was, geschah! Der Rabbiner ließ sich am Versöhnungstage Brot und Wein in den Teinpel bringen und brach das Fasten vor den Augen der daselbst Versammelten, indem er sie aufforderte, ein gleiches zu thun. Eine interessante Erzählung des oben erwähnten Falles kann man im „Haschachar" (III, 680) finden. — Aus Oppeln kommt die Trauerbotschaft, von dem am 25. August im Alter von 83 Jahren erfolgten Hinscheiden des Herrn Rabbiners Dr. Wiener. Wir gedenken die Bedeutung dieses, durch Gelehrsamkeit und Charaeter reich ausgezeichneten Rabbiners noch in einein besonderen Aufsatze hervorzuheben. Herr Dr. Bogelstein jun. hielt die Gedächnisrede. — Am 15. August fand in Hamburg die Einweihung einer neuen Synagoge statt. Als Prediger wirkt daselbst Herr Dr. Grunwald. — In Fürfeld wurde am 9. August eine Synagoge durch Herril Rabbiner Dr. Grünfeld aus Bingen eingeweiht und in Geisig eine solche am 2. August durch Herrn Rabbiner Dr. Weingarten aus Ems. — Zum Ober- Landesgerichtsrat am Oberlandesgericht in Nürnberg wurde Herr Max Berlin befördert. — Heinrich v. Sybel, der jüngst in Marburg bei seinem Sohne weilend, im 78. Lebensjahre starb, war von 1861—1875 Professor in Bonn. Dort wurde er mit dem verstorbenen Dr. Ludwig Philippson befreundet. Im Jahre 1876 trat er, auf Veranlassung Philippsons, im Abgeordnetenhause gegen das Austrittsgesetz für die Gemeindeeinheit auf. — Dem rühmlichst bekannten Professor der Augenheilkunde an der medizinischen Fakultät der Berliner Universität, Herrn Dr. Julius Hirschberg, ist der Charakter als Geheimer Medizinalrat verliehen worden. — In Cassel tagte am 8. Juli die 27. Jahresversammlung, der israelitischen Lehrcrkonferenz Hessens. — Die Vereinsversammlung der antisemitischen Vereinigung in Aachen faßte den einstimmigen Beschluß: „Au Se.