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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-10-01 · Heft 10 (1.10.1895) · p. Seite 227

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 10 (1.10.1895)
Date
1895-10-01
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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227 Orthodoxen. Unter dem jüdischen Bewußtsein verstehen wir eine tränenfeuchte Vergangenheit, durch welche der Himmel der Hoffnung und das Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem Menschen hindurchscheint. Der radikale Jude ist mehr darauf bedacht, ein Jude zu sein, als jene, die es ihm streitg machen wollen. Es ist wahr, daß ohne einen Sabbath kein Judentum ist. Der Sabbath ist die große Verkündigung seiner Grundideen. Er illustrirt die Würde der Arbeit und die Freiheit der Ruhe mit dem Gedanken, daß das Werk wohlgethan war, so, wie es Gott that am Ende der Schöpfungswoche. Ich weiß, daß die Welt verschiedene Tage einsetzte, um diesen Gedanken zu symbolisiren. Können wir den alten historischen Sabbath halten? Das Judentum ist keine Religion, die durch einen Vertreter ausgeübt werden kann. Eure bezahlten Sänger können es nicht für Euch halten. Wenn wir den alten Sabbath halten können, so wollen wir es thun, können wir es aber nicht, so laßt uns den neuen halten. Ich gebe zu, daß, was von Sinnlichkeit und Materialismus im Judentum ist, in der Thatsache begründet ist, daß wir keinen Sabbath haben. Das Judentum ist die Erlösung der Menschheit, und, das Echo der Geschichte und der Märtyrer ausnehmend, ruft auch der Radikale: „Höre, Israel, der Ewige ist ein einiger, einziger Gott!" Herr Dr. Stolz verlas den Bericht des Komitees für die Mission unter den Juden. Sodann folgte die Diskussion über die Stellung der jüdischen Reform zur nachbiblischen Litteratur. Der Bericht des betreffenden Komitees sagt, daß die ganze nachbiblische Litteratur, mit Einschluß des Talmud, der Kasuisten, Responsen, Kommentarien, vom Standpunkt des reformirten Juden nur als historische Litteratur angesehen werden kann und als solche von unschätzbarem Wert sei. Ein großes Verdienst der Reform sei, daß sie das historische Bewußtsein geweckt habe. Je stärker dieses Bewußtsein geworden sei, desto fester habe man an dem Grundsatz gehalten, sich in allen religiösen Dingen in keiner Weise autoritativ von der Litteratur der Vergangenheit bestünmen zu lassen. Dieser Bericht rief eine große Bewegung hervor und wurde nach erfolgter Abstimmung dem Komitee zurttckgegeben. Herr Dr. Mann, ehemals Pastor an der Unitarian-Cchurch inRochester sprach von dem guten Einvernehmen, das er immer zwischen Juden und Christen gesehen hätte und wünschte das Fortbestehen derselben für alle Zeiten. Das Komitee für Aufnahme von Proselyten legte Bericht vor und formulierte die von dem ins Judentum Aufzunehmenden zu beantwortenden Fragen. Die Erklärung der Annahme des jüdischen Glaubens lautet: 1. Ich glaube mit einem aufrichtigen und standhaften Glauben, daß es einen einzigen Gott giebt, den Schöpfer, Erhalter und Herrscher der Welt. 2. Ich glaube mit einem aufrichtigen und standhaften Glauben, daß der Mensch, nach dem Ebenbild Gottes, unschuldig und rein geschaffen, mit Vernunft, Gewissen und freiem Willen begabt

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