Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- Seite 214 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Kommunen Österreichs und Deutschlands zu besuchen, damit dann auf Grund der gewonnenen Erfahrungen in Brünn die Armenpflege neu organisiert werde. Dr. Feldmann ist der Schwiegersohn des gelehrten Rabbiners von Lissa, Dr. Bäck. — In einer Audienz, die der ungarische Kultusminister einer Abordnung des israelitischen Landeslehrervereins gewährte, erwiderte Minister Dr. Wlaßics u. a. den Sprechern: „Sie stehen zum Glücke in dem Dienste einer Konfession, die bezüglich des Patriotismus unerschütterlich ist. Es geschieht leider nicht in jeder Gegend alles, was zur Verbreitung und Hebung der Kultur notwendig wäre, aber auch da ist die jüdische Konfession die Stütze derselben." Bei dieser Gelegenheit erzählte der Minister, daß auch er eine jüdische Volksschule besuchte und viel Schönes und Gutes gelernt habe, und gedachte seines Lehrers Samuel Bun mit größter Ehrerbietung und gab seinem Bedauern Ausdruck, ihn hier vermissen zu müssen. Mealer, Wuflti und bildende Kunst. Im Museum zli Köln befindet sich das berühmte große Gemälde von Professor Plockhorst in Berlin, den Kampf des Erzengels Michael mit dem Satan um die Leiche Mosis darstellend. Das viel bewunderte Werk hat eine recht interessailte Entstehungsgeschichte, über die der Künstler folgendes mitteilen kann. Es war in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre, als Plockhorst eines Abends in Berlin einein Vortrage beiwohnte, den ein junger Gelehrter über den Talmud hielt. Der Redner sprach auch von Moses und dessen Tod: „Moses war 120 Jahre alt geworden, da neigte er das Haupt zu sterben. Und als er die Allgen geschlossen, erhob sich ein Streit zivischeu den guten und bösen Geistern um seine Leiche: jene beanspruchten sie für das Reich der Seligen, wegen der Tugenden und des gottgeweihten Lebens des großen Mannes, der Satan aber wollte Hand auf die sterblichen Überreste legen, weil Moses einst im Zorn einen Ägypter erschlagen. Da sprach Gott der Herr zu Michael, dem Erzengel, das entscheidende Wort: Wohl hat Moses im Grimme einen Ägypter getötet, allein die Wagschale seiner guten Thaten wiegt schwerer; drum gehe du hinab und bestehe den Kampf mit dem Bösen uild führe den Leichnam her in meinen Schoß. Und der Erzengel stieg zur Erde nieder und that, wie der Herr ihm geboten." Was der junge Gelehrte in jener Vorlesung über Mosis Ende berichtete, machte einen lebhaften Eindruck auf den jungen Künstler. Bereits während der Vorlesung reifte bei ihm der Entschluß, jene Szene zum Vorwurf eines Gemäldes zu nehmen, auf dem Heimwege gewann es in seiner Phantasie festere Gestaltung, und noch in derselben Nacht zeichnete er zunächst auf einem kleinen Karton, wie er ihn gerade zur Hand hatte, die Unirisse des Bildes hin. Aus dieser Skizze ist ein Meisterwerk ge-