Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- Seite 213 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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213 und Jude das verstehen, gäbe es keinen Antisemitismus. Die Gebete sollten zum Gemeinverständnisse Aller in der nationalen Sprache abgehalten werden. Nicht der Buchstabe sondern der Geist des Gesetzes müsse zur Geltung kommen. Am 27. Juli hielt Herr Dr. Schreiber eine Rede in der Synagoge seiner Vaterstadt Leipnik, in welche er für Fortschritt und zeitgemäßen Gottesdienst auf's wärmste eintrat. Es wurde ihm ein Becher und eine Znstimmnngsresolution überreicht. — Die jüdische Gemeinde zu Sunna in Jemen läßt jetzt in Wien das Gebetbuch der Inden Südarabiens in zweitausend Exemplaren drucken. — Kaiser Franz Josef hat bei seinem jüngsten Aufenthalte in Graz nicht nur den Gemeinderat gewarnt, den Wiener Antisemiten nachzuahmen, er hat auch den Rabbiner Herrn Dr. Mühsam znr Hvftafel gezogen und die Synagoge besichtigt. — Der Primarius uub Privatdvzent der Augenheilkunde an der Bndapester Universität Herr Dr. Wilhelm Goldzieher, ein auch im Anslande wohlbekannter Fachmann,. wurde zum Professor an der bezeichneten Universität ernannt. — Dem Großgrundbesitzer David Bischitz in Budapest wurde vom Kaiser der erbliche ungarische Adelsstand mit dem Prädikate v. Hcves verliehen. — In Reicheuberg starb im Alter von 84 Jahreir der emeritirte Rabbiner Herr Salomo» Pollak. — Am 18. Juni ist der Rabbinats-Assessor der israelitischen Kultusgemeinde zu Wien, Herr Markus Pollak, plötzlich im 65. Lebensjahre gestorben. — Am 23. Juni starb in Altofen Herr Oberrabbiner Dr. Julius Klein geb. 1850 in Zychifalva. Er war der Erste, der den Talinud ins Ungarische zu übersetzen begonnen hat. — Der neue österr. Ministerpräsident Graf Kielmanusegg betonte in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 4. Juli dem antisemitischen Abg. Geßmann gegenüber, daß nach dem Staatsgrundgesetze alle Konfessionen gleich seien. — Aus der Kandidatenrede Dr. Bazaut's, welche derselbe jüngst in der Brünner Handels- und Gewerbekammer gehalten hat, sei die auf den Antisemitismus beznghabende Stelle in Nachstehendem wiedergegeben. Er sagte nämlich: „Nach meiner Beobachtung hat die. Haltung der Regierung gegenüber dem Antisemitismus wesentlich zur Mißstimmung und zum Falle des Kabinets beigetragen. Von dem Antisemitismus könne man schwer sprechen, ohne in heftigen Unwillen zu geraten. Eine der größten Ideen der Menschheit, die Gleichheit der Menschen im Staate ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens, wird verleugnet, und Alles, was uns hoch und teuer ist, wird geschmäht und verhöhnt. Man sieht, daß der Fortschritt der Menschheit doch nicht alle Schichten der Gesellschaft durchdringt und daß in den Tiefen derselben ein Bodensatz von mittelalterlichem Vorurteil und und Rohheit zurückgeblieben ist. Der Antiseinitismus ist eine Schlammwelle, empvrgehvben von mächtigen Gönnern und bestimmt, den Boden der klerikalen Reaktion vorzubereiten." — Dr. Feldmann, ein Jurist, der bei der Brünner städtischen Verwaltung seit einem Jahrzehnt thütig ist, hat den ehrenvollen amtlichen Anftrag vom Magistrat erhalten, zuin Studium der Armenpflege die größeren