Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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212 meißelten hebräischen Inschriften gefimden. Auf ersuchen des Konservators Dr. Jlg entzifferte Herr Universitäts-Professor Dr. David Heinrich Müller die Texte, aus welchem sich das Vorhandensein jüdischer Einwohner in Mauer im 14. und 15. Jahrhundert ergiebt. — In Znaim wurde am Ottvkarplatze neben dein Cafe Dill ein alter, quadratisch geformter Grabstein mit schwer zu entziffernder hebr. Inschrift gefunden, der aus der Zeit vor der von Herzog Ladislaus veranlaßten gewaltsamen Emigration der Juden vor circa 400 Jahren herrührt. — Der Prediger der israelitischen Kultusgemeinde in Randnitz Herr Dr. Jnlins Reach, wurde zum k. und k. Feldrabbiner 2. Klasse in der Reserve ernannt. — Der ungarische Landes-Sanitäts- Jnspector Dr. N. Feuer, ein Schüler Arlt's, wurde zum außerordentlichen Professor der Augenheilkunde an der Budapester Universität ernannt. Dr. Feuer hat sich durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten einen hervorragenden Platz unter den Fachgenossen gesichert. — Zum außerordentlichen Professor der Physiologie an der neu errichteten medizinischen Fakultät der Universität Lemberg wurde der Privatdozent Herr Dr. Adolf Beck in Krakau ernannt. — Der zu seiner Erholung bei seinen Verwandten in Tobitschau weilende Herr Dr. E. Schreiber, Rabbiner in Toledo, Ohio, früher Rabbiner in Bonn, bekannt als Redakteur des „Chicago Occident" im Interesse des Reformjudentums, hielt über Einladung einiger Gemeindemitglieder einen Vortrag über Reformjudentnm, der durch seine formvollendete Weise begeisterten Anklang bei sämtlichen Zuhörern fand. Die Quintessenz des Vortrages war, das Judentum, wie es ist und war, losgeschält von allen Inkrustationen, die im Laufe der Jahrhunderte sich um dasselbe gebildet haben, zu zeigen, und zweitens den Gang der Reform des Judentums ans Grund der Prinzipien, die bei der Rabbiuerversammlung 1837 in Wiesbaden und 1844 in Braunschweig vorgelegt wurden, vvrzuführeu. Nach einer geschichtlichen Einleitung, angefaugen von M. Mendelssvhu's Bibelübersetzung bis auf Zunz und Geiger, kam der Redner auf das jetzige Judentum zu sprechen, mit dein Bemerken, daß das Judentum nur gewinnen würde, wenn all die Krustationeu und Hinznfügungen von 1000 Jahren, welche nie in den Gesetzen Moses enthalten waren, umgestürzt würden, um unsere Religion wie das reine Gold erscheinen zu lassen. Zunz und Geiger haben auf Basis der Wissenschaft des Judentums Neues geschaffen. Letzterer namentlich hat das Judentum aus dem alten Wüste wieder erweckt und die bestell Eleiuente durch die Reform zurückgewonnen. Die Berliner Reformgemeinde, vor 50 Jahren entstanden,. hat kein Mitglied durch Taufe verloren, während gerade die orthodoxen, die polnischen und russischen Jilden, ein großes Kontingent Abtrünniger liefern. Alle, die sich taufen lassen, rief der Redner mit erhobener Stiinme, sind Verräter an sich selbst, Feiglinge, die ihr Erstgeburtrecht für ein Linsengericht verkaufen. Zum Schlüsse auf die Prinzipien des Judentums übergehend, hob der Redner nachdrücklich hervor: Das Judentum hat aufgehört eine Nation zu sein, wir bildeil nur eine Religivilsgesellschaft und würden Christ