Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-09-01 · Heft 9 (1.9.1895) · p. Seite 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 9 (1.9.1895)
Date
1895-09-01
Page
Seite 211 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969809-2969819--4570-2973837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

211 Dies sind die Nächstliegenden Gründe, aus denen ich dem Vereine zur Abwehr des Antisemitismus beigetreten bin und darin mitwirke, so weit es meine Kräfte erlauben." — Am 12. Juni verschied in Zirko das geistliche Oberhaupt der jüdischen Gemeinde, Herr Rabbiner S. H. Cohn im Alter von 87 Jahren. — Am 5. August wurde in Gailingen im Synagogenhofe ein Denkmal für die Helden von 1870/71 in feierlicher Weise eingeweiht. Die Tafel enthält die Namen von 34 Kriegern aus Gailingen und zwar 17 Juden und 17 Katholiken. — In der letzten Sitzung der Kammer der Abgeordneten in Stuttgart wurde der Beitrag der Staatskasse zur israelitischen Centralkirchenkasse mit 32400 Mark ohne Debatte genehmigt. — Die Zöglinge der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover haben kürzlich unter Leitung ihres Lehrers bei der Löschung eines größeren Schadenfeuers in der benachbarten Ortschaft Limmer in erheblicher und mustergiltiger Weise mitwirkt. Es ist der Anstalt daraufhin ein warmes Anerkennungsschreiben des Gemeindevorstehers zugegangen. — Man berichtet: Der älteste Mann in unserer Gegend und vielleicht auch in ganz Deutschland ist der frühere Handelsmann Salomon Hirsch in Mrotschen; derselbe feierte vor einigen Tagen seinen 114. Geburtstag; er ist noch sehr rüstig, körperlich sowohl wie geistig, und noch heute im Stande, einzelne Geschäftsgänge zu besorgen. Er führt jetzt noch ziemlich dieselbe Lebensweise wie vor fünfzig Jahren. — Die Synagogengemeinde in Köln war im vorigen Jahre zur Einkommensteuer herangezogen worden, da nur Kirchen davon befreit seien. Das Vorstandsmitglied Herr Assessor Fleck hat nunmehr nachgetviesen, daß Korporationen nur wenn sie Vermögen haben, steuerpflichtig seien. Daraushin ist der Erlaß der Steuer erfolgt. — In Bamberg fand am 15. und 16. Juli die Conferenzder bayerischen Rabbiner statt. — Frau Adele Katzenstein hat der Stadt Frankfurt a. M. ein Kapital von etwa 260000 M. vermacht, dessen Zinsen dazu bestimmt sind: 1. arme kranke Kinder ohne Rücksicht auf die Konfession zu verpflegen und zu unterhalten, 2. solchen gesitteten talentvollen jungen Leuten beiderlei Geschlechts ohne Rücksicht auf die Konfession die Mittel zur Erlernung eines Handwerkes zu gewähre», deren Eltern mindestens fünf Jahre in Frankfurt ansässig sind. — Der Verein Deutscher Studenten in Berlin hat es für gut befunden, den Hofprediger a. D. Stöcker um Annahme der Ehrenmitgliedschaft zu ersuchen. Der Rektor Professor Pfleiderer hat es aber abgelehnt, die hierzu erforderliche Genehmigung zu erteilen. Wie vor zwei Jahren in einem ähnlichen Falle wird der Verein auch diesmal die Entscheidung des Ministers anrufen. — Aus Dessau berichtet man: Dem einzigen jüdischen Rechtsanwalt im Herzogtum Anhalt ist die nachgesuchte Ernennung zum Notar vom Staatsministerium verweigert worden mit der ausdrücklichen Begründung, weil derselbe ein Jude ist! — Bei der Demolierung der ehemaligen kleineren Kaserne in Mauer bei Wien, einem Bau ans dem Ende des 16. Jahrhunderts, wurden als dort verwendetes Mauermaterial zwei fragmeutirte Grabsteine mit schön einge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.