Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- Seite 210 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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210 mandeurkreuzes II. Klasse des Ordens von Zähringer Löwen. Am 21. Juli wurde er zu Grabe getragen. In der Leichenhalle sprachen Stadtrabbiner Dr. Appel und namens des Oberraths Stadtrabbiner Dr. Steckelmacher von Mannheim, am Grabe namens des Synagogenraths Herr Stadrath Fritz Homburger. Das Beileidstelegramm des Großherzogs an die trauernde Wittwe lautete: „Mit aufrichtigem Leidwesen erfahre ich das Ableben Ihres Gemahls. Es drängt mich, Ihnen mein Beileid auszusprechen, und Sie zu versichern, daß ich Ihrem Gemahl ein dankbares Andenken widme. Auch die Großherzogin schließt sich diesen meinen Theilnahmsäußerungen von Herzen an. Friedrich, Großherzog." — Am 3. August fand in Berlin die Gedächtnisfeier der dortigen Universität statt. Die Festrede hielt Herr Prof. Pfleidcrer über die Ideen vom ewigen Frieden. Auf die Festrede folgte die Verkündigung der vorjährigen akademischen Preisausschreibung. Durch den königlichen Preis der theologischen Fakultät wurde Herr Felix Coblenz, für eine Arbeit über „Das betende Ich in den Psalmen" und durch den städtischen Preis derselben Fakultät stnä. tl,ool. Paul Cohan aus Bern für eine Studie über Hosea ausgezeichnet. Den königlichen Preis der Rechtswissenschaftlichen Fakultät gewann stuä. zur. Michael Pergamenter aus Odessa mit einer Arbeit zur Lehre von der Konventionalstrafe. Von der medizinischen Fakultät wurden drei Preise vergeben, davon zwei an die Studierenden der Medizin Richard Bernstein und Semi Meyer, dem Ersteren für eine Studie über die durch Kontusion und Erschütterung entstandenen Herzkrankheiten, dem Zweiten für Forschungen über die Entstehung und das Vorkommen der Sandkörper. — Am 3. Juli fand die Enthüllung des Denkmals Ludwig Träubels im Garten der Charitee in Berlin statt, deren dirigirender Arzt der Verewigte im Jahre 1853 wurde. — Die neue Synagoge in Kissingen wird nach dem vorliegenden Entwürfe des dortigen Architekten Karl Krampf ein Prachtbau werden. Derselbe wird an der Maxstraße neben dem alten Theresienspitale, das mit der Eröffnung des neuen Spitales in den Besitz der israelitischen Kultusgemeinde kommt, erbaut werden. — Eingeweiht wurden Synagogen in Hagen, in Corbach, in Greifswald ein neues Betlokal und in Lörrach ein israelitischer Friedhof. — Am 22. Juli starb in Berlin Rudolf v. Gneist, der Vorsitzende des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Er bekannte sich, wie er in einer Erklärung vom 23. April 1893 sagte, noch immer zu dem Grundsätze der heutigen civilisirten Nationen, daß der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlicher Rechte unabhängig sei von dem religiösen Bekenntnisse und er hielt sich „verpflichtet dafür einzutreten, wo er verletzt wird." „Seit einem halben Jahrhundert" — fügte er hinzu — „in richterlichem Beruf thätig, halte ich es für meine Pflicht, für das verletzte Recht des schwächeren Teiles einzutreten, sobald ich dazu veranlaßt bin, insbesondere auch in der Presse und im politischen Leben der Wahrheit und dem Recht zur Geltung zu verhelfen gegen vorsätzliche Entstellung und Verleumdung.