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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-09-01 · Heft 9 (1.9.1895) · p. Seite 205

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 9 (1.9.1895)
Date
1895-09-01
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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— 205 - spwrwip; 4' -nI * ' geren Religion, als die ihm angeboten wurde; er hat es, wo ihm die christliche Religion in den Formen der kirchlichen Bekenntnisse geboten wird, bis auf diesen Tag, und so ist die Kirche als solche völlig unfähig, das Judentum zu überwinden. Dieselbe Unfähigkeit der Kirche ist dem Heidentum gegenüber zu bemerken. Rur bei ganz rohen Völkern werden von der christlichen Mission einzelne Erfolge erzielt, sehr geringe im Verhältnis zu den aufgebotenen Mitteln; aber bei Gebildeten sind ihre Erfolge gleich Null, beziehungsweise nicht größer, als die der Mohamedaner sein würden, wenn ihre Missionare bei uns Anhänger werben wollten und dürften.... Was ist demnach, um dies beiläufig zu erwähnen, die neueste Hetzerei gegen die Juden? Nichts anderes als eine Schmach, nichts anderes als ein Armutszeugnis, das sich die Christenheit, an erster Stelle die Kirche, ausstellt. Ihre Unfähigkeit, die Juden zu überzeugen, liegt am Tag; dafür sollen diese als Feinde der religiösen Wahrheit büßen! Wenn Jesus wiederkäme und sähe all den Unfug, der mit seinem Namen getrieben wird: ich glaube nicht, daß er wieder eine Geißel aus Stricken drehen würde — denn er weiß nun, daß sich damit nichts ausrichten läßt —, wohl aber, daß er vom christlichen Tempel dasselbe Wort wie vom altjüdischen sagen würde: „brechet ihn ab." Theismus und WaLurforfchung in ihrem WerhätLnis zur Teleologie. Von Rabbiner Dr. I. Stier, Berlin. (Fortsetzung.) 6. Die Kontinuität in der Entwickelung. Doch giebt es eine andere Seite der Vollkommenheit. Sie besieht im ewigen Fortschreiten des Ganzen, in der Vervollkommnung der Menschheit als solcher. Nicht das Individuum, die Menschheit vervollkommt sich. Der Einzelne mag sterben, die Menschheit bleibt. Jener ist nur das Mittelglied, das die Errungenschaft des ihm vorangehenden Gliedes dem nachfolgenden übergibt. Er ist also der Träger jener Stufe der Vollkommenheit, bis zu der das Vorderglied getaugt ist, klimmt selber eine oder mehrere Stufen hinan. Lebend noch oder sterbend, überträgt er das ihm Überkoinmene mitsamt dem Selbsterrungenen, dem nachfolgenden Gliede. Es steht so die Gegenwart auf dem Grunde der Vergangenheit, wie die Zukunft auf der Gegenwart fußen wird. Der Begriff der Vollkominenheit ist damit vom Jenseits in das Diesseits, vom Himmel auf die Erde, wie von: Einzelnen auf die Gesamtheit verlegt. Im ewigen Streben der ' Menschheit nach dem Guten, nach dem Besseren, läge der Begriff der Vollkommenheit. Wohin das führen soll, weiß freilich niemand zu sagen. Das Ziel

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