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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-09-01 · Heft 9 (1.9.1895) · p. Seite 202

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 9 (1.9.1895)
Date
1895-09-01
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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202 Als bald darauf der Pascha mit seinen Opfern im Hofe erschien, stürmten die Mohamedaner bewaffnet aus der Moschee heraus und bedrohten ihn mit dem Tode, wenn er die Israeliten nicht freiließe. Ruzdi Pascha erschrak so heftig, daß er sich aus Serajewo an der Spitze von 500 Nizams, und zwar ohne Schuhe, blos in den üblichen Lederstrümpfen flüchtete. Die so unerwartet Geretteten zogen in Begleitung der Mohamedaner nach der Synagoge, um ihr Dankgebet zu verrichten. Der Oberrubbiner segnete seine Retter und sprach über den Pascha den großen Fluch aus. Zugleich verfaßte er ein Danklied, welches in der Synagoge am Jahrestage noch heute gesungen wird. Diese Feier nennen die Spagniolen „Marhesvan”. Nach drei Monaten berief Danon seine Glaubensgenossen und erklärte, Gott habe ihm befohlen, eine Pilgerfahrt nach Jerusalem zu unternehmen; zugleich prophezeite er seinen Leidensgenossen, daß sie je einen Sohn bekommen würden. Dies traf in der That ein und diese Söhne leben noch heute. Die ganze israelitische Bevölkerung geleitete den frommen Mann bis Jiidsche, doch entließ er, sich nur zwei Diener ausbittend, die Menge mit dem Segensspruche, mit welchem sich Moses vom israelitischen Volke verabschiedet hatte: „Wohl dir, Israel, wer ist dir gleich? O Volk, das du durch den Herrn selig wirst, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist. Deinen Feinden wird's fehlen, aber du wirst auf ihrer Höhe einher treten." Zugleich erklärte er, daß er unterwegs sterben würde. Als Danon nach Stolac kam, bat er den dortigen Kadija, im Orte ausruheu zu dürfen, was ihm gestattet wurde. Danon badete sich in einer Quelle und wechselte die Wäsche; daun besuchte er Mehagas Kaffeehaus, wo er unter Gebeten sanft im Herrn entschlief. Der Kadija ließ den Leichnam auf einem Hügel außer der Stadt auf einem Staatsgrunde beerdigen. Später erwarb diesen Grund ein Mohamedaner und pflegte sorgfältig das Grab, denn — so sagt die Legende — der von ihm ' auf genanntem Hügel angepflanzte Weingarten trug ihm selbst in Mißjahren reichliche Frucht. Die Mostarer Israeliten erbaten sich von Ali Pascha Stoeanin („dem Stolacer") die Erlaubnis, Danon ein sarkvphagartiges Denkmal setzen zu dürfen, was ihnen auch bewilligt wurde. Es ist ein viereckiges Prisma, auf dessen dem Wege zugekehrter Fläche der Name des Verblichenen eingegraben ist. Zugleich wurde ihnen gestattet, jährlich am Sterbetage zehn Pilger an's Grab, und zwar unter Begleitung von Zapties, schicken zu dürfen. Doch gelang es ihnen nicht, die Grabstätte käuflich an sich zu bringen. Der zur Zeit des Einfalles Montenegros in die Herzegowina in Mostar sich aufhaltende Armeelieferant Giuseppe Vita Salom bot dem Eigentümer eine den Preis des Grundstückes weit übersteigende Summe; doch scheiterten alle Bemühungen an dem Vorurteil des Moha-

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