Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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201 v~ ~«tw ry^ - / ,-v-v - — Zeitalter leben, in welchem Männer mit verschiedenen Anschaltungen sich friedlich zusamineufinden und über dem, was sie scheidet, nicht vergessen, daß sie Menschen sind. Die Morgendämmerung eines goldenen Zeitalters bricht vielleicht über uns herein. Gebe Gott, daß die Sonne allgemeiner Liebe und Eintracht, welche jetzt, wie ich glaube, die Bergesspitzen der Menschheit vergoldet, immer höher auf dem Horizont emporsteige, bis sie den Zenith des Friedenshimmels erreicht hat und von da die Erde in allen ihren Teilen überfluthe, um mit ihren gesegneten Strahlen die Herzen der Menschen zu erwärmen. Der Heilige Wabbi von StoLac. Im Jahre 1874 kam Ruzdi Pascha, der in Travnik residirte, auf einer Jnspectionsreise auch nach Serajewo. Da bei den damaligen Verkehrsverhältnissen seine Stellung eine unkoutrolierbare, seine Machtbeftignisse in Folge dessen unbeschränkt waren, konnte er das Volk willkürlich brandschatzen. Dieses Mal forderte er von der dortigen spagniolischen Gemeinde eine sehr hohe Kontribution. Da die Summe für die Gemeinde unerschwinglich war, ließ er den Oberrabbiner Moses Danon und die sieben Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde im Beluk, der heutigen Philippovics-Kaserne, einkerkern, mit der Drohung, sie hinrichten zu lassen, wenn seine Geldgier nicht befriedigt würde. Um seiner Drohung mehr Nachdruck zu verleihen, ließ er den Opfern seiner Willkür die sogenannten „Tromtmci“ entlegen. Darunter sind zwei Bretter zu verstehen, welche den Gefangenen an die Unterbeine angeschraubt wurden und ihnen unsägliche Schmerzen bereiteten. Da er auch jetzt den gewünschten Betrag nicht erhielt, ließ er die Gequälten zwei Tage vor der Hinrichtung nach dem sogenannten „Zindan", einem eiskellerartigen, fensterlosen Gefängnis bringen. Diese raffinirten Folterqualen brachten schließlich selbst die dortigen Mohamedaner, die den gewaltthätigen Pascha ohnehin nur mit Unwillen im Weichbilde der Stadt schalten und walten sahen, in Aufruhr. Ihr Barjaktar Ahmed Aga nahut sich der unschuldig Verfolgten in energischer Weise an. Das Volk hielt Ahmed Aga, weil er das sogenannte „Hemdchen", das Chorion, mit dem er geboren wurde, bei sich trug, für unverletzlich. Er mußte sogar, wenn er sich rasieren ließ, dieses „Hemdchen" bei Seite legen, weil sonst selbst das Rasiermesser an seinem Gesichte erfolglos abglitt. Dieser Ahmed Aga haranguirte an dem Samstag, an welchem die erwähnten Israeliten im Hofe der Begovadzamija hingerichtet werden solltett, die zum Gebete versammelten Glaubensgenossen mit den Worten: „Wer ein Türke ist, folge mir, damit wir die schuldlosen Israeliten befreien!" Daraufhin wurde beschlossen, die drei Zigeuner, welche zu Henkern bestellt waren, niederzusäbeln» und die Israeliten zu befreien.