Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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200 der endliche Triumph des Guten; daran glauben wir. Der Jude ist überzeugt, daß seine Vernunft gottgegeben ist, und darum ist in seiner Religion für blinden Glauben kein Raum. Wir glauben nicht, daß die Religion einen größeren Anspruch an des Menschen Gläubigkeit stellen darf, als irgend ein anderes Gebiet menschlicher Geistesthätigkeit. Ich bin ein Jude, weil der Jude einen Platz in der Geschichte auszufüllen hat. Die Juden haben eine Mission. Sie sind die Verkündiger des Monotheismus. Einer ihrer Propheten hat verkündet, daß der Tag kommen würde, an dem Gott anerkannt werden wird als einzig und sein Name als einzig. Bis zu dein Eintreffen dieses Tages haben die Juden ihre Existenzberechtigung. Wir glauben, daß ethischer Monotheismus der reinste Ausdruck der göttlichen Wahrheit ist, und so lange diese Lehre nicht von der Welt angenommen ist, glauben wir, daß der Jude die Mission hat, als ihr Verkündiger und Träger aufzntreten. Die Juden sind das historische Volk des Bionotheismus. In guten und bösen Tagen, im Ghetto und im Elend blieben sie dieser Mission treu. Der heutige Jude nimmt einen Platz ein, welchen ihm die Vorsehung zugewiesen hat. Er ist der Erbe vergangener Zeiten. Und doch sein Ideal, seine Hoffnung ist die Ankunft jener Zeit, wo sein Glaube in dem universellen Glauben der Menschheit aufgegangen sein wird. Der Jude hofft auf die Einigung der Menschheit in dem Namen eines Gottes, denn „die Einheit Gottes", sagt George Elliot, „schließt die Einheit der Menschheit ein." Jahrhunderte hindurch verzichtete Israel auf alle Ehren dieser Welt, um der Wahrheit willen. Ich denke, daß der Jude ohne Anmaßung auf eine gewisse Anerkennung für die Treue Anspruch machen kann, mit welcher er während der christlichen Ära seine Aufgabe erfüllte. Man unterdrückte ihn, erdrücken konnte man ihn nicht. Die Erhaltung der Juden ist nichts Geringeres als ein Wunder. Seine Mission ist noch nicht erfüllt. Die Welt ist nicht monotheistisch, die Menschheit ist nicht geeiiligt in dem Namen des einen Gottes. Vorurteile religiöser und anderer Art sind im Schwünge, der Kastengeist herrscht überall; Aberglaube im Namen der Religion schwingt sein Szepter über Millionen. In dem goldenen Zeitalter der Zukunft, das von Israels Propheten verkündet wurde, in der messianischen Zeit der Wahrheit und der Liebe, des Friedens und Wohlgefallens werden diese Übel verschwunden sein. In unserer Weise arbeiten wir auf die Ankunft dieses Zeitalters hin. Wir glauben, daß hier noch Raum und Bedürfnis für unseren historischen Glauben vorhanden ist, dessen Religion auf der Einheit Gottes basiert, dessen Grundlagen Redlichkeit und Gerechtigkeit sind, dessen Zukunftsbild eine friedlich geeinigte Menschheit darstellt. Niemand begrüßt die Anzeichen einer Annäherung zwischen Mensch und Mensch aufrichtiger als wir. An jeder Bewegung, die dieses Ziel im Auge hat, nehmen wir Anteil mit Herz und Seele. Wir danken Gott, daß wir in einem