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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-09-01 · Heft 9 (1.9.1895) · p. Seite 197

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 9 (1.9.1895)
Date
1895-09-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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197 wenn in ihr zur ehernen Kraft des Nordens die lichte Glut des Südens sich gesellt. Ja unser Volk soll stets und bleiben ein Hort der Wahrheit und der Gesittung der Gerechtigkeit und der Erkenntnis des Friedens nach anßen und der Einheit nach innen. Warum ich ein Jude bin. Vortrag, gehalten in einer Unitarier-Gemeinde von Dr. David Philipsott, Rabbiner in Cincinnati. Es gereicht mir zur besonderen Freude, diesen eigenartigen Curs von Vorlesungen zu eröffnen, welchen der „Unity Club" für die kommende Saison veranstaltet hat. Ich nenne diesen Curs eigenartig, aber seitdem das Parlament der Religion in Chicago tagte, haben wir uns an die wunderbare Erscheinung gewöhnt, die Vertreter der verschiedensten Bekenntnisse auf derselben Tribüne erscheinen zu sehen, um vor aufmerksamen Zuhörern ihre Anschauungen auseinanderzusetzen. In unserer Stadt bestand allerdings von jeher eine Harmonie zwischen den Anhängern verschiedener Bekenntnisse, und so ist es — Dank sei Gott — noch immer. Auf dieser Tribüne saß ich mit einem Rector der bischöflichen Kirche, einem methodistischen Pastor, einem presbyterianischen Geistlichen, einem unitarischen Prediger und einem katholischen Erzbischof, als sie hier im Interesse der „Humane Society" eine Sitzung abhielten. In meinem eigenen Tempel hatte ich das Vergnügen, Führer auf dem Gebiete religiösen Denkens willkommen zu heißen, welche wiederholentlich an unsere jungen Leute Ansprachen hielten. Eine solche Versammlung ist ein vielversprechendes Zeichen der Zeit. Es ist gut zu erfahren, was unsere Nachbarn denken. Menschen sind immer geneigt, sich in engen Bahnen zu bewegen. Unwissenheit ist die Quelle aller Übel. Wir sollten nach Erleuchtung streben. Dies ist auf keinem Gebiete nötiger, als auf dem der Religion. Die einzelnen Bekenntnisse, welche gewisse Secten characterisiren, waren die Ursache zahlreicher Übel. Statt einen friedenbringenden Einfluß zu üben, hat die Religion — oder richtiger, haben die Religionen — zu Entzweiungen Ursache gegeben. Das ändert sich jedoch. Wir kommen zu dem Schlüsse, daß, obwohl jeder Einzelne glaubt, die Wahrheit zu besitzen, wir doch die Meinung Anderer achten müssen. Die Wahrheit ist eine, Anschauungen sind viele. Ein Berg hat nur einen Gipfel, aber nach dem einen Gipfel mögen viele Pfade führen. Wir alle streben, den Gipfel des Berges der Wahrheit zu erreichen, jeder auf dem Wege, welcher ihm der beste dünkt.

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