Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-09-01 · Heft 9 (1.9.1895) · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 9 (1.9.1895)
Date
1895-09-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969809-2969819--4555-2973822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

196 die den mächtigen Feind niedergeschlagen und Israel zu nie geahnter Größe erhoben, immer begeisterter rauscht das Lied immer lauter tönt der Gesang bis er verklinget in den einfachen aber vielsagenden Ausruf „Und es rnhte das Land vierzig Jahre." So sollen auch die Gefühle, die uns bei der Feier des heutigen Tages beseelen, in dem Wunsche gipfeln, daß dem Vaterlande noch für lange, lange Dauer beschieden sein möge der Frieden nach Außen. Was frommte aber ein großes festgebautes Haus, das nach außenhin ansehnlich dastünde und auch in seinem Innern wohnlich eingerichtet wäre, wenn darin aber Ruhe und Frieden fehlten und fluchbringender Zwist die Geinüter und Geister verwirrte. Was bedeutete das festgegründete, festgefugte deutsche Reich, wenn statt des Krieges von außen in seinem Inneren immer vom neuen Kampfesrufe ertönten. Die Einheit Deutschlands, welche durch die Waffengemeinschaft seiner verschiedenen Stämme begründet und herbeigeführt wurde, sie soll auch in Werken des Friedens sich bewähren und soll wie sie nach außen festgeschlossen erscheint, auch nach innen sich völlig ausgestalten. In unserem geeinten Vaterlande sollte nie ein Streben Raum finden und Geltung beanspruchen dürfen, das geeignet wäre, die Einheit zu trüben und das friedliche Zusammenwirken zu beeinträchtigen und zu stören. Die Wohlfahrt des Volkes zu mehren, das Vaterland zu einer lieblichen Heimat für Alle zu gestalten, Menschentugend und Menschenliebe zu pflegen und zu hüten, das sind die Ziele, denen wir alle, die unter dem Eindrücke so großartiger Ereignisse leben, unentwegt zu folgen haben. Aus der Gemeinschaft im Kriege ist uns die Einheit im Frieden erwachsen und dadurch, daß die Söhne unseres Vaterlandes wie ein Mann ausgezogen um es vor hereinbrechendem Verderben zu schützen, ist auch das Bewußtsein ihrer Verwandschaft und Zusammengehörigkeit in ihnen erhöht und befestigt worden. Haben unsere Brüder gemeinsam gekämpft und gesiegt, haben sie Alle ohne Unterschied des Standes, der Heimat und des Glaubens sich eins gefühlt und für das eine deutsche Vaterland ihr Blut auf dem Felde der Ehre verspritzt, so sollen wir ihr Werk ergänzend, den Ring unserer Gemeinschaft enger um uns schließen und sein und bleiben ein einig Volk von Brüdern. Freunde, Genossen und Brüder sollen wir nicht nur auf fremden Boden, auf Kampfplätzen und Schlachtfeldern gewesen sein, wir sollen es auch sein und bleiben auf heimatlichen Boden in Zeiten des Friedens. Ja in der Einheit des Volkes liegt das Geheimnis seiner Kraft, der Grund seiner Macht, sie ist der Boden seiner Hoffnung, die Wurzel seines Bestandes, der Kern seiner Festigkeit, die Krone seiner Größe. Was kann eine große Nation wie die unsere, die auf allen Gebieten der Wissenschaft, der Kunst und des Lebens so bedeutendes bereits geleistet, in der so edle Geisteskräfte, so seltene Bürgertugenden vorhanden sind, der gesamten Menschheit sein, wenn es ihr gegönnt ist, die in ihr ruhenden Anlagen und Kräfte frei zu entfalten und in segensreiche Thätigkeit zu setzen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.