Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1895)
- Date
- 1895-09-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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195 ausgehaucht im Dienste des Vaterlandes. Es war ein schwerer, ein blutiger, ein furchtbarer Krieg, in denen die zwei gebildetesten Völker der Erde gegen einander die Waffen führten. Die edle Jugend fiel wie Gras des Feldes unter der Sense des Todes hin, es waren Zeiten, da auf dem Felde raste das Schwert und zu Hause klagte der Kummer. Doch ein höherer Trost erwächst nns ans der Erkenntnis, daß sie nicht umsonst in den Tod gegangen, daß sie sterbend noch in den Triumphgesang siegender Brnderstämme einstimmen konnten und während sie in das Grab hinabstiegen, das Vaterland gleichsam neu geboren ward, neu auferstanden ist zu ungeahnter Macht und Größe- Wer hat je davon gehört, wer je Solches erlebt? Staunend können wir mit der Schrift ausrnfen: Kann wohl ein ganzes Geschlecht an einem Tage geschaffen, ein ganzes Volk mit einem Male gebildet werden, wie wir dies vor unseren Augen gesehen, wie wir dies in unseren Tagen erlebt haben? „Es ist wie ein Traum" rufen wir mit dem hochseeligen Heldenkaiser Wilhelm I. ans „selbst wenn man es Stunde für Stunde hat abrollen sehen". „Wenn ich mir denke" schrieb Kaiser Wilhelm am Tage nach ' der Entscheidung an seine erlauchte Geinahlin, „daß nach einem großen glücklichen Kriege ich während meiner Regierung nichts Ruhmreiches mehr erwarten konnte und ich nun diesen weltgeschichtlichen Akt erfolgt sehe, so beuge ich mich vor Gott, der allein mich, mein Heer und meine Mitverbündeten ausersehen hat, das Geschehene zu vollbringen und nns zu Werkzeugen seines Willens bestellt hat. Nur in diesem Sinne vermag ich das Werk aufzufassen und in Demut Gottes Führung und seine Gnade zu preisen." Wie sind diese herrlichen kaiserlichen Worte so bezeichnend für die Größe der Ereignisse. Wie viele Jahre unglückseeliger Vernichtungskämpfe, wie viel Ströme vergossenen Blutes, wie viel des Unheils und der Verheerung ehe in den früheren Zeitaltern dem Könige der Friede folgte, in dessen Schatten die Völker sich erquicken und aufrichten und da — mit einem Schlage eine Umwälzung, die bis in ihre letzten Folgen sich vollzieht, wie ein Hauch ist des Feindes Macht zerstoben, mit einem Male sind die Grenzpfäle gestürzt, die in der Heimat Bruderstämme von einander trennten. Gestraft ist der übermütige tollkühne Ehrgeiz, der Völker ins Verderben sendet, um der eigenen Schande zu entrinnen und über den Trümmern seiner Macht ersteht mächtig und glanzvoll der Einheitsbund getrennter Bruderstämme. Doch darauf müssen wir stets bedacht sein, daß das, was wir in schwerem Kampfe errungen, nns auch erhalten bleibe. Als Barak und Deborah sieggekrönt von dem Kampfe gegen Sisera, den gewaltigen Feldherrn des Nordens, heimgekehrt waren, da stimmten sie einen Preisgesang an, in welchem sie jubelnd die göttliche Gnadenmacht verherrlichten, die die Schaar der Schwachen mit Heldenkraft gegürtet, die an die Fahnen des vielgeprüften Israel den glänzenden Sieg geknüpft. In schwungvollem Liede besang die Dichterheldin die Ruhmesthaten der einzelnen Stämme, die edle Tapferkeit,