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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-08-01 · Heft 8 (1.8.1895) · p. Seite 189

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 189 (sequence 21)
Language
German
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die Krone jüdischer Humoresken genannt werden muß. Die drei andern Skizzen aus des Onkels Jonas Notizbuch haben ebenfalls Erlebnisse eines Schadchens als Inhalt. Auf ganz anderem Gebiete und auch nicht ans dem Schauplatz der Reichshauptstadt spielen sich die beiden Erzählungen ab, die von dem bekannten Verfasser der „Prager Ghettobilder", S. Kohn, in der Sammlung erschienen sind. „Der alte Grenadier" bietet ein Bild aus einem böhmischem Dorfe von den Zuständen, die hier vor 1841 betreffs Judenreception herrschten, von edlen Fürsten und schlechten Beamten, von der Auszeichnung, die ein im Kriege hochverdienter Jude durch seinen dankbaren Monarchen und dessen Feldzeugmeister Kutscher« erhielt. In der andern Erzählung Kohn's „Die fidelen Alten" betitelt, werden wir von dem Erlebnis eines Rabbinatskandidaten in Kenntnis gesetzt, das dieser mit einem Antisemiten am Wirtshansstammtisch hatte. Wenn irgend eine Schrift geeignet ist, erfolgreich gegen den Antisemitismus zu agitieren, so sind es „die fidelen Alter«". Band III und IV ist von C. Beng verfaßt. Der eine führt den Titel „Der Mitgiftdoktor", der andere den Titel „Der Herr Hosprediger hat gesagt". Beides sind, wie die Namen schon besagen, moderne Zeitbilder. Das beste sei heransgehoben: es berichtet von dem vernichtenden Schlangengift, das die Predigt, „eines" Herrn Hofpredigers sogar in das Hirn junger Schulmädchen spritzt und von den unheilvollen Folgen, die daraus zu deren eigenem Unheil entspringen. Auch die anderen sind in ihrer Art originell, dazu mit vorzüglichem Stile und treffender Charakteristik. „Der Rabbi von Liegnitz" ist eine historische Erzählung aus der Hussitenzeit von Dr. A. Sammler die den V. Band bildet. Mit diesem Buche wird die „Kollektion Cronbach" in würdiger Weise abgeschlossen, die jedem durchaus empfohlen werden muß, der für jüdisches Kultur- und Familienleben irgend welches Interesse zeigt und die in richtiger Weise in die Menge gebracht dadurch, daß sie lehrt, wie Israel in Wahrheit lebt, der Schmachpartei des 19. Jahrhunderts gar Manchen abtrünnig machen wird. Die drei Belfer. Kulturbilder aus Galizien von Marek Firkowicz Wien 1894. Moritz Perletz. Ich muß gestehen, ich habe das hochinteressant geschriebene Buch nicht ohne eine bange Ahnung zur Hand genommen. Ich hatte ein unbegründetes Vorurteil, das wohl der schlechte Titel „Die drei Belfer" Hervorrufen. Allein kaum hatte ich einige Sätze gelesen, als ich das Büchelchen nicht eher ans der Hand legte, als bis es zu Ende war. Die galizischen Verhältnisse, die mehr als unterm Hund sind, hat der Verfasser aus eigener Anschauung kennen und verachten gelernt. Er hat einen tiefen Einblick in diese halbasiatische Zustände gethan, ohne sich jedoch mit Schaudern von ihnen abzuwenden. Durch wiederholtes Reisen in Galizien und durch eingehendes Studium der nationalökonomischen Lage dieses Landes ist er zu der Überzeugung gekommen, daß das Werk des Baron Hirsch und der Alliance ganz erhebliche Besserungen gebracht hat und noch bringen wird, wenn man den richtigen Weg einschlägt.

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