Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-08-01 · Heft 8 (1.8.1895) · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 184 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969809-2969818--4542-2973808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

184 sonders solchen, die den Juden des Ostens zu Gute kommen. Auch der Board of Guardians und die Congregation der Spanier und Portugiesen erhalten große Summen. - Israel Zangwill, der als Dichter trotz seiner jungen Jahre eine hervorragende Stellung in der englischen Litteratur einnimmt, hat im Aprilhefte der „North Amerika» Review" einen Artikel über die Stellung des Judentums veröffentlicht Zangwill giebt zu, daß das Judentum gleichzeitig Rasse und Religion sei, aber das ist kein Nachteil. Er findet, daß das Christentum sich dem Judentum in seinen Gesichtspunkten nähert; in negativen insofern, als die gebildeten Christen, unter ihnen die vornehmsten Theologen den Glauben an die Gottheit Jesu aufgegeben haben; in positiver Richtung insofern, als für die Erfüllung des Menschheitsberufes Thaten in erster Linie erforderlich sind. Jedenfalls ist es eine höchst erfreuliche Thatsache zu sehen, daß im Gegensatz zu Isaak Israeli, Heine und Börne die führenden Geister dem Judentum Verständnis und Interesse entgegenbringen. Nach dem „Woskhod" ist am 21. Februar in Eupatoria in Tauris eine karaitische Rabbinerschule eröffnet worden. Es giebt keine ähnliche Anstalt für die 4 oder 5 Millionen Israeliten in Rußland, denn man kann mit diesem Namen keine der zahlreichen jetzt bestehenden „Jeschibot" bezeichnen, da in diesen sich der ganze Unterricht auf den Talmud beschränkt. — Aus London kommt uns die Trauerkunde von dem am 10. Juni daselbst erfolgten unerwarteten Hinscheiden unseres geschätzten Mitarbeiters des Herrn Br. M. Griinwald, Großrabbiners von Bulgarien. Wir verweisen vorläufig auf eine Schilderung seines Lebenslaufes (Monatsblütter Jahrgang 13, S. 54) und behalten uns vor seine Verdienste um die jüdische Wissenschaft gebührend hervorzuheben. Das traurige Ereignis hat in London und in den weitesten Kreisen die lebhafteste Teilnahme hervorgerufen, die bei seinem Leichenbegängnisse am 12. Jrrni zum Ausdruck kam. Wir lassen hier ein Schreiben folgen, welches vor kurzem der Erzbischof Robert Menini an ihn richtete: „Hochgeschätzter Herr! Vor ein paar Stunden bekam ich Ihren wertesten Brief samt dem Exemplare: „Über den Einfluß der Psalmen auf die katholische Liturgie." Eine kurze Übersicht des Werkes gab mir schon die Überzeugung» daß es sehr mühevoll bearbeitet ist und von nicht geringer Nützlichkeit sein wird. Gott gebe, daß diese jüdischen Psalmen, welche die Substanz der katholischen Liturgie bilden einst von Juden und Christen in einem Tempel und in heiliger Verbindung des Glaubens und der Liebe gesungen werden mögen. Indessen bewundere ich Ihre hohe geistige Thätigkeit und wünsche Ihnen von Gott einen reichen und fruchtbringenden Segen. Mit Hochachtung und Dankbarkeit Ihr ergebenster Robert Menini, katholischer Erzbischof."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.