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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-08-01 · Heft 8 (1.8.1895) · p. Seite 183

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 183 (sequence 15)
Language
German
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183 einem Mitarbeiter des „Neuen Wiener Tageblatt" gegenüber folgendermaßen über die antisemitischen Hetzprediger zu äußern: „Der Seelsorger steht über allem Parteigetriebe, er hat höhere Aufgaben. Ich mißbillige es auch, wenn ein Christ irgendwem gegenüber, sei es ein Israelit, ein Heide re., den Racenstandpunkt einnimmt; das ist ganz nnchristlich. Ein wahrer Christ kann das nicht thun; er achtet auch Jedermanns Überzeugung in Glaubenssachen, und die Frage ist nur, wer von den Menschen den wahren Glauben hat. Der Mensch irrt, und wir sehen, wie beispielsweise Philosophen gleich dem von einem Rande zum andern oscillirenden Pendel von einem Extrem in das andere fallen; da, am einen Extrem steht der Pantheist, am anderen der Materialist, Atheist. Das Schwierige ist nun, wie bei dem beständig oscillirenden Pendel die Mitte, die Wahrheit — Gott zu finden. Der Seelsorger, der Christ soll aber helfen die Wahrheit für diejenigen, welche sie suchen, ausfindig zu machen; allein man handelt unchristlich, wenn man den Andersgläubigen wegen seiner Überzeugung kränkt, angreift, stört. Demnach können auch Christen und Israeliten, welch letztere ja auch an einen außerweltlichen Gott glauben, ganz gut beisammenleben." — Nach der am 6. Mai in Baden erfolgten Exhumirung der Leiche der Frau Rosalia Jellinek fand die Beisetzung derselben in das Grab ihres verstorbenen Gatten, des Oberrabiners der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, vr. Adolf Jellinek, am 7. Mai am Centralfriedhof in Gegenwart der nächsten Angehörigen statt. Das Denkmal, welches die Gemeinde ihrem verstorbenen Prediger errichten läßt, dürfte in nächster Zeit enthüllt werden. — Wie verlautet wurde gegen den Pfarrer vr. Deckert anläßlich seiner jüngsten Predigten in Weinhaus die strafgerichtliche Voruntersuchung nach § 302 (Störung der öffentlichen Ruhe durch Aufreizung gegen Religionsgenvssenschaften) eingeleitet..— Die portugiesisch-jüdische. Gemeinde in Paris hat ihren zweiten Rabbiner, 1>r. Moise Jacques Montefiore, verloren; er starb im Alter von 38 Jahren. Der Verstorbene war in Italien geboren, wo er schon seit langer Zeit rabbinische Ämter bekleidete. In der hebräischen Litteratur wohl bewandert, veröffentlichte Herr Montefiore zu verschiedenen Zeiten mehrere gelehrte Studien. — Am 22- Mai fand in Paris im Tempel der lius de la Victoire, die Trauung des Herrn Baron Henri von Rothschild mit Fräulein Mathilde von Weißweiler statt. Die Herrn Groß-Rabbiner Zadoe Kahn und Dreyfuß leiteten die Trauungsceremonie. — Anläßlich der hundertjährigen Jubelfeier des Jews Hospital and Orphan Asylum (Jüdischen Kranken- und Waisenhauses) wurde nach einer warmherzigen Ansprache des Vorsitzenden, Sir G. Fandet Philipps, der imposante Betrag von 18,350 Lstr. (367,000 M.) zu Gunsten dieses Wohlthätigkeits-Jnstituts gezeichnet. — Der verstorbene Herr David James in London, dessen Wittwe kürzlich , starb, hatte bedeutende Summen, deren Genuß der Wittwe bisher zustand, für wohlthätige Zwecke hinterlassen. 200,000 Mark fallen jüdischen Instituten zu und zwar be-

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