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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-08-01 · Heft 8 (1.8.1895) · p. Seite 182

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 182 (sequence 14)
Language
German
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182 ein jüdischer Advoeatursbeamter dort eine Wohnung bezogen hatte. Pöbelhaufen stürmten das Haus, in welchem der Jude wohnte, und zerstörten dessen Einrichtungsgegenstände. Die Schuldigen wurden streng bestraft, doch sind die eigentlichen Urheber nicht zu ermitteln. — In den Räumen des Beth-ha-Midrasch in Wien hielt am 14. Mai Herr Rabbiner Di'. Gelbhaus, seine Antrittsvorlesung. Der Redner eröffnete seine Vorlesungen mit dem Thema: „Begriff und Wesen der Bibelexegese." Bibelexegese, so führte er aus, ist die Erforschung der leitenden Ideen und des jeweiligen Zeitgeistes, die sich in der heiligen Schrift offenbaren. So lange eine Litteratur im Blühen und Wachsen sich befindet, ist eine Exegese ausgeschlossen, weil unnötig. Der Connex zwischen Autor und Leser, zwischen Redner und Hörer ist ein intimer. Die Gedanken ergießen sich von Geist zu Geist, die Empfindungen von Herz zu Herz. Erst wenn eine Litteratur zum Abschluß kommt und neue Verhältnisse und Lebensformen innerhalb des Volkslebens sich geltend machen, da beginnen die früheren Vorstellungen sich zu verdunkeln und Gedankengang sowie Ausdruck erbeischen eine Aufklärung. Dieser Moment trat im Judentum nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft ein. Das Verständnis der älteren litterarischen Erzeugnisse war vielfach im Drange der Zeiten abhanden gekommen und die damaligen Verhältnisse forderten gebieterisch eine Aufhellung der heiligen Bücher. Esra und sein Kreis waren die ersten Bibelexegeten. Von ihnen heißt es: „Und sie lasen in dem Buche der Lehre Gottes erklärend,^aufhellend und sie verstanden die Schrift." Dieses gelang ihnen durch Zuhilfenahme der Tradition, die damals noch, wenn auch in einem kleine» Kreise, frisch pulsirte. Redner weist an der Hand von Beispielen, aus dem talmudischen und midraschischen Schrifttum auf die hohe Bedeutung der noch erhaltenen, wenn auch sehr zerstreuten Reste der Überlieferung für die Bibelexegese hin, welche von den neueren Schriftforscheru unbeachtet blieben. — Der Voranschlag der israelitischen Religionsgemeinde in Budapest für das laufende Jahr beträgt 730,208 Kronen, wovon 320,000 Kronen für Wohlthätigkeits-Jnstitute und 100,000 Kronen für Unterrichtszwecke entfallen. — Man schreibt uns: Ain 21. April starb in Bezedek 87 Jahre alt die durch ihre Gastfreundlichkeit und ihren seltenen Wohlthütigkeitssiun weit hin gekannte Wittwe Frau Jakob Schwartz geb. Katharina Fischer. Die Armen ihres Heimatskomitates Baranya verlieren in der Verstorbenen ihre Fürsorgerin und mütterliche Wohlthäterin; die Notleidenden und Gedrückten eine stets bereite Helferin, die durchreisenden Armen eine milde Spenderin, in deren Hause sie, die Arme», nicht nur eine reichliche Spende, sondern auf eine liebevolle gastliche Aufnahme fanden. Zu ihrem Leichenbegängnisse am 23. April, waren drei Rabbiner, aus Mohaes, aus Siklos und aus Baja erschienen, um die hohen Verdienste der Verstorbenen hervorzuheben. Der christliche Pfarrer ließ die Glocken während des Leichenzuges läuten. — Der in Wie» residirende Jesuiten-Prvvinzial Pater Widmann nahm Veranlassung, sich

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