Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1895)
- Date
- 1895-08-01
- Page
- Seite 181 (sequence 13)
- Language
- German
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181 Viele Jahre seines Lebens nahm'ihn der große Gedanke in Anspruch, alle Inden durch ein einheitliches Bekenntnis der sittlichen Grundsätze der jüdischen Religion mit einander innig zu verbinden, und er scheute keine Mühe, seinen Lieblingsgedanken durchzuführen. Erwollte die Ethik wieder in den Vordergrund der religiösen Erziehung der Jugend rücken. Wir gedenken, da der Verewigte eineSelbstbivgraphie veröffentlicht hat, sein Leben und Wirken noch ausführlicher zu behandeln. Wir werden ihm, der uns über 30 Jahre ein Freund gewesen, welcher an unsere Bestrebungen den lebhaftesten Anteil nahm, ein treues Andenken bewahren und seiner in Liebe stets gedenken. — Ans Battonya schreibt uns Herr Oberlehrer Spitzer: Eine hohe Auszeichnung wurde dem Großindustriellen und Nationalökonomen Herr Ludwig Krauß de Megyer zu teil. Sr. Majestät der Kaiser und König Franz Josef I. verlieh ihm taxfrei den Titel eines Königl. Rates.' Herr Kraus ist der Schwiegersohn des gottseeligen Reichstagsabgeordneten Moritz Währmann. — Der Gesetzentwurf über die Rezeption der israelitischen Religion — mit Allsschluß des Übertrittsparagraphen — wurde in der am 16. Mai stattgehabten Oberhaussitzung votirt. Bei Stimmengleichheit stimmte der Präsident Baron von Vay für die Vorlage und so erhielten die klerikalen Hetzer eine erhebliche Schlappe. Der weggebliebene Paragraph, welcher den Übertritt zum Judentum erlaubt — wird in die Vorlage über „die freie Ausübung der Religion" eingeschaltet werden. In den jüdischen Gemeinden Ungarns wurden ob dieses Ereignisses Dankgottesdienste und Festkommerse abgehalten. — Zu Szentes wurde während des Komitatskongregation am 20. Mai im Beisein zahlreicher Honoratioren vom Obergespan Vadrney das Portrait des vor zwei Jahren verstorbenen Csongrader Gutsbesitzers Herrn Jacob Svab enthüllt. Bemerkenswert ist eine Stelle aus der Rede des Obergespans. Er apostrophirte den Verstorbenen folgendermaßen: „Jacob Svab liebte stets mehr die Christen, als diese die Juden, die wir erst jetzt rezipirten!" Die ungarischen Juden rüsten sich das Milleniumsfest mit der Nation gemeinsam zu feiern. — Zu der im Jahre 1806 zu Bndapest stattfindenden Milleniums-Ausstellung werden viele jüdische Gemeinden alte Synagogengeräthe, Thorarvllen, siebenarmige Leuchter, Menoras re. ansstellen. Am Ausstellungsplatze wird eine Synagoge nach altem Ritus eingerichtet werden. Die Regierung unterstützt das patriotische Bestreben der ungarischen Judenheit. — Auf Grund eines Einvernehmens der Regierung und der geistlichen Oberbehörde erfolgte die Erneniiung des Herrn Di'. Adolph Schwarz, eines Inden, zum Primarius der chirurgischen Abteilung im Spital der Barmherzigen Brüder in Agram, dem ersten Krankenhause des Landes. — Der jüngst im 43. Lebensjahre in Lemberg verstorbene Herr Salomo« Berger, hat die israelitische Cultusgemeinde zur Universalerbin seines 80,000 Gulden betragenden Vermögens eingesetzt. — Saybusch zeichnet sich seit jeher durch große Judenfeindlichkeit aus, und so oft dort ein Jude sich niederlassen will, kommt es zu Ausschreitungen. Auch jüngst war Saybusch der Schauplatz von Excessen, als