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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-08-01 · Heft 8 (1.8.1895) · p. Seite 175

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 in den einleitenden Worten auseinandergesetzt wurde, die Folge zur Ursache gemacht wird. Zweitens, da hier auf Erden Vollkommenheit unmöglich ist, muß mit diesem Begriffe zugleich die Unsterblichkeit, das Fortdauern der Seele nach dem irdischen Tode verbunden sein. Man vergißt dabei, daß die Seele, insofern man sie als für sich bestehend betrachtet, vollkommen nicht werden kann, auch nach dem leiblichen Tode nicht, weil sie es nicht werden darf. Vollkommenheit ist der Inbegriff aller Tugenden. Diese müssen sich in dem Vollkommenen aufs Beste ausgebildet finden. Darum können wir Vollkommenheit nur Gott zusprechen. Würden die Seelen der hier zu Grabe Gegangenen in der uns unbekannten Welt Vollkommenheit erreichen, so hieße das nichts anders als sie zu Göttern machen. Der Himmel würde sich bald mit letzteren bevölkern, oder er ist es schon längst. Es wäre damit eine neue Art Polytheismus gefunden. Man wagt nicht zu viel mit der Behauptung, daß diese Götter nicht existiren, folglich muß auch die Behauptung richtig sein, daß die Seelen der Abgeschiedenen wohl nach Vollkommenheit streben mögen, aber nicht vollkommen sind. Man wende nicht ein, daß die Seele vollkommen sein könne, und doch kein Gott sein müsse, weil die göttliche Vollkommenheit von der menschlichen Seele verschieden ist und daß sonst das Geschaffene dem Schöpfer gleich wäre. Das ist falsch. Der Begriff der Vollkommenheit läßt graduelle Unterschiede nicht zu. Etwas ist entweder vollkommen oder ist es nicht. Das Wort deckt wohl da den Begriff nicht, aber es deutet ihn an. In der Vollkommenheit mutz das Maß aller höchsten und edelsten Tugenden und Eigenschaften vereinigt und voll sein. Der geringste Mangel hebt die Vollkommenheit auf. Das Gesagte legt uns nun dar, der Zweck der Menschen kann nicht in der zu erstrebenden Vollkommenheit gesucht werden, weil wir sie nie erreichen, weder im Diesseits noch im Jenseits, dieselbe, da wir unsere Eigenart als Menschen immer behalten müssen, auch uicht erreichen dürfen. Drittens. Läßt die sittliche Forderung der Menschheit nach dem Besser¬ und Edlerwerden, das thatsächliche Streben nach Vollkommenheit, die ruhige Überlegung nicht aufkommen, was man sich unter dem Satze denkt: der Mensch sei zur Vollkommenheit geboren, sein Zweck sei, vollkommen zu werden. Wer und was an dem Menschen soll eigentlich vollkommen werden? Wir können uns den Menschen nicht anders denken, als in seiner Zusammensetzung von Körper und Geist. Die zwei Bestandteile getrennt gedacht, geben keinen Menschen. Der Körper allein ist es ebenso wenig, als der Geist allein. Nun zerfällt der Körper nach kurzer Dauer. Das Band ist zerschnitten. Der Mensch 'hat aufgehört zu sein. Der Körper ist es nun nicht, der vollkommen werden kann. Man wird das vielleicht für unnötige Silbenstecherei halten. Man wird sagen: wir wissen ja, daß der Körper zerfällt. Wenn wir von der Vollkommenheit

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