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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-08-01 · Heft 8 (1.8.1895) · p. Seite 174

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 Das ganze All ist ein solches Uhrwerk, kunstvoll geordnet, die einzelnen Teile zweckmäßig an einander gereiht. Wir setzen mit Recht einen verständig ordnenden Geist voraus. Mir sehen die Uhr sich bewegen, bewundern ihren regelmäßigen Gang, sehen uns selber als Zeiger oder als Ziffern oder was wir auch sonst sein mögen in oder an dieser Weltuhr, bei der und in der wir alles zweckmäßig finden. Wozu sie selber soll, welchen Zweck sie hat, das ist die Frage. Wir unterscheiden also zwischen Zweckmäßigkeit und Zweck. Was die Naturforscher uns bieten, ist, da sie nur das bestehende erklären, sein Jneinandergreisen uns klar zu machen suchen, immer nur das Zweckniäßige. Den Zweck zeigen sie uns nicht. Es entsteht nun die alte Frage: zu welchem Zwecke ist dieses große Kunstwerk, das All, geschaffen? Welche Absicht können und dürfen wir als beim großen Schöpfungsakte vorliegend, denken? Selbst die Ansicht angenommen, daß das All nur des Menschen wegen da sei, bleibt immer noch die Frage offen, wozu-der Mensch? Damit er sich vervollkomne, ein edles Wesen werde, Wahrheit und Gerechtigkeit, Heil und Wohl, Glückseligkeit begründe, nach dem höchsten Gute strebe! Das ist die Antwort, die gewöhnlich auf die Frage nach deni Zwecke gegeben wird. Es ist schon bemerkt, daß es gewiß schön und wünschenswert ist, daß jeder Einzelne und die Menschheit in ihrer Gesamtheit den oben angeführten Zielen zustrebe. Man mag auch gerne zugeben, daß die Menschen, wenn sie von diesem Ziele auch noch weit entfernt sind, sich ihm zu nähern suchen und tatsächlich nähern. Die Menschen leben heute schöner, bequemer als vor tausend Jahren. So manche Furcht und Angst, die in früheren Zeiten vor den Naturelementen bestanden, ist geschwunden. So manches Mittel ist erfunden, tötliche Krankheiten hintanzuhalten, das Leben zu erhalten. Auch das soziale Leben der großen Mehrheit ist ein besseres geworden. Nicht gebietet die Willkür eines Machthabers über Tod und Leben. In herrschende und dienende Klassen scheiden sich die Menschen nicht mehr. Die Kluft, die zwischen ihnen gähnte, verenget sich immer mehr. All das Streben und Ringen, das Erreichen und neuerdings Fordern, sich stets neue und höhere Ziele setzen, ist ein unveräußerliches Recht des Menschengeschlechts. Hier soll er unermüdlich vorwärts schreiten. Jeder Schritt nach vorwärts ist ein Schritt zur Vollkommenheit, obgleich er diese nie erreichen wird, auch nie erreichen soll. Denn mit dem Eintritt der Vollkommenheit hört das Streben auf. Ein Leben ohne dieses wäre leer und öde, eine Menschheit, die die Vollkommenheit erreicht hätte, würde sofort aufhören Menschheit zu sein, sie wäre die Gottheit. ck. Die Vollkommenheit. Wenn behauptet wird, die Menschen wären geschaffen um vollkommen zu werden, so irrt man sich aus dreierlei Gründen. Erstens darum, weil, wie dies

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