Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1895)
- Date
- 1895-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Jene eint, dieser trennt. Jene verbindet die zweckmäßigen Teile, dieser stößt die unzweckinäßigen ab. Auch der Kamps um das Dasein spielt da seine einflußreiche Rolle. Das Kräftige, Lebensfähige überwindet das Schwache und verbindet sich mit dem anderen Kräftigen zu einem lebensfähigen Organ. Was dieser Verbindung entgegensteht, wird als Feind betrachtet und ausgeschieden. Es sind das wohl mehr als verschiedene Worte für ein und denselben Inhalt, doch ist der Gedanke der Zweckmäßigkeit anerkannt. Nur wird diese nicht als außer den Elementen sondern in denselben liegend, gedacht. Dieselbe Kraft, die ihre Existenz überhaupt ermöglicht, besitzt zugleich die Eignung, sich so und so zn gestalten. Die Kraft wirkt blind und doch so vernünftig. Das Wie bleibt dem Naturforscher ein Rätsel und wird es bleiben, wenn auch so mancher den Glauben hegt, daß es einmal gelöst werden wird. Dagegen nimmt der Theismus Zweck und Absicht an. Er kümmert sich weniger um die Art des Entstehens, als daß er einerseits nach dem Grunde des Entstehens, andererseits nach dem Zwecke des Entstandenen fragt. Wenn jeder vernünftige Mensch nur mit vorbedachter Absicht und mit einem bestimmten Zwecke an ein Werk herangeht, um wie viel mehr dürfen wir das bei dem vernünftigsten Wesen, das wir denken können, bei Gott voraussetzen. Wir müssen demgemäß zwischen Zweck und Zweckmäßigkeit unterscheiden. Wir gewahren in der Natur, wenn auch nicht durchgehends, doch im Großen und Ganzen eine Zweckmäßigkeit. Sie ist eben ein Organismus im Großen, aber es zeigt sich nur Zweckmäßigkeit. Diese aber ist noch lange nicht das, was wir unter Zweck verstehen. Zweckmäßigkeit ist das fördernde Jneinandergreifen des einen in das andere, die möglichst einfachste und denkbarst verständige Verbindung der Teile unter einander und ihrer Vereinigung zu einem Ganzen. Diese läßt einen ordnenden Verstand auf einen Schöpfer schließen. Wir können dann sagen: was geschaffen ist, ist zweckmäßig. Hiermit aber haben wir noch keinen Zweck des Ganzen erkannt. Wir wissen dann höchstens — was übrigens auch nicht unbestritten, ist — daß, was ist, ist, wie es ist, am besten; wir wissen aber nicht, wozu es ist. Erst das Wissen des letzteren würde uns den Zweck angeben. Ein Beispiel. Denken wir uns einen Menschen der zum ersten Male eine Uhr sieht und ihren Zweck nicht kannte, auch einen Begriff von der Zeiteinteilung nicht hätte. Man würde ihm nur die Bewegung der Zeiger, das Jneinandergreifen der Räder u.. s. w. erklären. Solange er den Begriff der Zeiteinteilung nicht hat, also den Zweck nicht kennt, wird er den Künstler anstaunen, der so schön eines znm andern fügte, und eines durch das andere bewegen läßt; er wird die einzelnen Glieder an einander gereiht finden, aber das Ganze doch nur für ein Spielzeug eines kunstfertig-verständigen Menschen halten.