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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-08-01 · Heft 8 (1.8.1895) · p. Seite 172

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 darin, daß Gott vor allem beiseite gesetzt wurde. Man wollte ihn nicht finden und fand ihn auch nicht. Das ist nicht Voraussetzungslosigkeit, nicht einmal Vorurteilslosigkeit. Voraussetzungslos wäre, wenn der Forscher sich sagte: Ich will die Erscheinungen, die Welt, wie sie durch die Sinne wahrnehmbar ist, erklären; ob aber die sinnlich wahrnehmbare Erscheinung oder die sinnlich nicht wahrnehmbaren Kräfte Ursprung und Quelle anderswo haben, ist eine Frage, die mich nichts angeht. Die überlasse ich den Theologen und Metaphysikeru. Legt sich der Naturforscher diese Schranke auf, werden ihm die letzteren Dank wissen. Der Theismus weist also die Naturforschung nicht zurück. Er wehrt sich nur gegen Übergriffe in sein Gebiet. Wie anderseits die Naturforschung das Recht hat, sich das Hineinreden des Theologen in die Erklärung z. B. von Ebbe und Flut zu verbitten. Wenn nun Naturforschung unb Theismus ruhig neben einander hergehen, und jedes sein Gebiet begrenzend, wir möchten sagen, in der Praxis des Lebens sich gegenseitig als Freunde begrüßen können, die Resultate ihres Strebens sich gegenseitig zu nutze machen, so gibt es doch einen Punkt, wo die Wege sich scheiden, wo sie wohl nicht Feinde sein müssen, aber das freundliche Nebeneinander aufhört. Es ist das der Gedanke des Zweckbegriffs. Die Naturforschung kann, wie bereits dargelegt, einen Zweck nicht finden. Wohlgemerkt, sie findet keinen solchen, der notwendigerweise Uranfangs in das Sein gelegt ist und der ihm von einem andern mit auf den Weg gegeben wurde. Der Naturforscher sieht nur Entwicklung. Welchen Zweck das Sein hat, an welchem Ziele es enden wird, er weiß es nicht, er kümmert sich nicht darum. Oder auch, weil er einen plausiblen Endzweck nicht sieht, so schließt er daß es auch nichts gibt, das ihn dazu zwänge, einen solchen als uranfänglich gewollt anzunehinen. c. Zweck und Zweckmäßigkeit. Der Naturforscher wird in seiner Meinung durch geschichtliche Ereignisse und natürliche Geschehnisse gestärkt, die dem menschlichen Verstände alles eher als zweckgeinäß erscheinen. Trotzdem nimmt er eine Zweckmäßigkeit in gewissem Sinne an. Er kann sich ihr nicht verschließen, wo er einen mehr oder weniger ausgebildeten Organisinus sieht. Das sich Anschmiegen und Anpassen der einzelnen Glieder, ihr Streben, sich zu einem ganzen zu fügen, der zumeist regelmäßige Bau der Pflanzen, der Tiere, der Menschen läßt ihn eine Zweckmäßigkeit annehmen. Nur nennt er es nicht Absicht. Dem einen ist es der in den Elementen liegende Gestaltungsdrang, dem anderen der dunkle Trieb, Anziehungs- und Abstoßungskraft, ein dritter bezeichnet dieselbe Erscheinung mit: Liebe und Haß?) *) S. Rümeliu: Die Erkenntnis pag. 39 ff. Übrigens hat schon vor mehr als 2300 Jahren Lmp6,l0el68 „Liebe mtb Haß" als die bewegenden Ursachen, nur uodj mit etwas stofflichem vermischt, hingestellt. -

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