Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1895)
- Date
- 1895-08-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 171 dann aber hat man doch die blödsinnigen . . . Kinder nicht als Stammeltern der geistig begabten anzusehen, wie man thut, wenn man die Affen . . . als Stammeltern der Menschen ansieht." Wir sehen da die Leugnung, ja die Unmöglichkeit der Annahme ausgesprochen, daß der Mensch von dem Affen abstamme. Blödsinnige können nicht die Stammeltern geistig begabter sein. Wir sind also nicht die Kinder, aber inöglicherweise die Geschwister der Affen. Nach Fechner hatte sich zu einer gewissen Zeit eine Zelle differenziert und es wäre die Menschen und Affenzelle entstanden. Sind nun die Affen nicht unsere Eltern, höchstens Geschwister, dann sind wir mindestens uin einige tausend Jahre älter geworden. Denn einige tausend Jahre muß man annehmen bis aus einem Affen sich ein Mensch entwickelt. Sind wir nun, nach Fechner, Geschwister, so ist damit kaum mehr gesagt, als: der Mensch gehört zum Tierreich, wenn auch die Bezeichnung „Geschwister" die Verwandschaft in etwas gefährliche Nähe rückt. Fechners Ansspruch, daß wir von einer gemeinsamen Zelle abstammen, besagt nicht viel mehr, wie der Ausspruch: daß alle Erdbewohner vom Staube entstehen. Dagegen wird auch der Strenggläubigste nichts einzuwenden haben. Es ist selbstverständlich, daß man das Stäubchen, das unzählige Zellen enthalten kann, der Zelle nicht gleichsetzen darf. Aber selbst angenommen daß der Mensch vom Affen abstamme, so wird dem, der von dem Gedanken an einen Gott erfüllt ist, es ganz gleich sein, ob sein Urahne vor zehn Millionen Jahren aus einem Stäubchen gebildet wurde, oder ob derselbe Ahne vor fünf Millionen Jahren ans einer Affenzelle hervorgegangen. Der Adel des Stäubchens ist doch wohl nicht größer,'als der des Affen. Das eine muß ihm feststehen, daß in dem einen wie indem anderen Falle, die Macht Gottes mitgewirkt hat. Vielleicht steigt seine Verehrung vor dem ewigen Gotte umsomehr bei dem Gedanken, daß Gott fünf Millionen Jahre früher den Keim zu seinem (des Menschen) Dasein gelegt hat, daß er vor seiner Geburt eine wunderbare Welt in ihrer herrlichsten Mannigfaltigkeit erstehen ließ und ihn in diese so schön entwickelte Welt hineinsetzte. Der Mensch, der in der Erscheinungswelt nicht höheres über sich kennt, fühlt sich dann besonders bevorzugt und dein Schöpfer zu Danke verpflichtet. Ein Gedanke, der in der biblischen Schöpfungsgeschichte, wo der Mensch als das letzte Glied der Schöpfung auftritt, angedeutet ist. So kann der Theismus die Naturforschung dankend begrüßen. Sie lehrt ihn die Gottesnatur verstehen. Es steht dem nichts im Wege, daß der Theist Naturforscher sei. Wenn die »reisten der letzteren bisher zu Resultaten gekommen sind, init denen der Theisurus sich rricht einverstanden erklären kann, so ist wie ich meine, weniger der Theismus daran schuld, als die Forscher selbst, die entweder mit einer vorgefaßten Meinung herantraten, oder Folgerungen zogen, die zu ziehen nicht unbedingt nötig waren. Die vorgefaßte Meinung bestand gewöhnlich