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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-08-01 · Heft 8 (1.8.1895) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 8 (1.8.1895)
Date
1895-08-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 durch Zuchtwahl dies und jenes entstehen: Der Theist kann dieser Erklärung der Erscheinungswelt, in Ermanglung einer besseren, zustimmen. Er wird nur fragen: woher hat die Zelle selbst ihre Existenz, woher hat sie oder der in ihr liegende Keim die Eignung und Fähigkeit zur Entwicklung? Er antwortet wieder: Gott. Ich wiederhole, daß es ein Irrtum ist, wenn dem Theismus die Annahme untergeschoben wird, daß er Gott in jedem Augenblicke direkt eingreifen lasse, daß er direkt hinter jedem Dinge stehe, es zusammenhalte, schiebe und bewege. Die Ehrfurcht, die der Gläubige vor Gott hegt, die Allmacht, die er ihm notwendigerweise zuschreibt, schließt eine solche Annahme aus. Dem Gedanken der Allmacht entspricht die Auffassung, daß Gott zu irgend einer, ihm beliebigen Zeit, einem kleinen, dem menschlichen Auge kaum oder nicht sichtbaren Wesen die Kraft verliehen hat, weiter zu wirken für Tausende von Jahren. Das Wunder, wenn man ein solches durchaus annehmen will, ist von Gott nur einmal geschehen. Nur für uns ist das Weltgeschehen, weil unerklärlich, ein fortgesetztes Wunder. Will man das kleine, kaum sichtbare Wesen Zelle nennen, hat sie die treibende Kraft, den Keim in sich, fortzeugend eine Welt aus sich zu gebären, kann es dem Theismus recht sein. Er sagt nur: Die Zelle hat Gott geschaffen, die Triebkraft hat er in sie gelegt. Wohl ist es die Gotteskraft, die fortwirkt, aber nicht als eine in jedem Augenblick neu entstehende, sondern als die einmal gegebene, immanent fortwirkende. Ich sage: immanent fortwirkende, um nicht dem Verdachte Raum zu geben, als wäre hier von einem Deismus die Rede, der Gott von der Erscheinungswelt gesondert und geschieden betrachtet. Der Theismus ist ebenso weit von denl Pantheismus als von dem Deismus entfernt. Nach ihm ist Gott nicht eins mit der Welt, er überläßt sie auch nicht ihrem Schicksale. Es thut also dem religiösen Gefühle keinen Abbruch, ob man annimmt, daß ein gewisses Bestehendes direkt aus der Hand Gottes hervorgegangen oder ob es, um zu werden, was es ist, eine ganze Reihe von Mittelstufen durchlaufen hat. Es muß die Annahme feststehen, daß der erste Grund des Seienden in Gott liegt. Nehmen wir an, die Behauptung, daß der Mensch vom Affen abstamme, wäre ganz unbestritten, sie brauchte den Stauben des Theisten nicht im mindesten zu erschüttern. Daß diese Annahme auch von den Naturforschern nicht unbestritten hingenommeu wird, beweist schon Fechner?) Er meint: wir hätten „trotz der äußeren Ähnlichkeit mit den Affen, die wir uns noch heute gefallen lassen müssen, doch in keiner Periode eine Ebenbürtigkeit mit den Affen anzuerkennen. Möglich zwar, daß die Ahnen der Menschen und Affen erst durch eine spätere als die allererste Differenziirung des Muttersiockes auseinandergegangen sind, wie noch heute geistig begabte und blödsinnige Kinder von denselben Eltern stammen können; Idee» zur Schöpfungs- und Entwicklungsgesch. der Organismen pag. 82.

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