Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-07-01 · Heft 7 (1.7.1895) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 7 (1.7.1895)
Date
1895-07-01
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969809-2969817--4512-2973777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

155 seligkeit, und wie (s. oben 4,16—17) R. Jaakob, so predigt hier der Zeitgenosse Rabbis, R. Elasar, gegen diese haltlosen, zur Sittenlosigkeit ausartenden Systeme, indem er nachdrücklichst betont, daß ein Jeder — Hoch und Niedrig — für seinen Wandel auf Erden vor dem Ewigen verantwortlich sei und bleibe. V. 1. „Durch zehn göttliche Aussprüche wurde die Welt erschaffen. Und was für eine Lehre ist (damit) zu geben? Konnte sie denn nicht mit einem Ausspruch erschaffen werden? Es sei denn, um die Frevler zu bestrafen, welche die Welt (-ordnnng) zerstören, die durch zehn göttliche Aussprüche erschaffen wurde, und um die Frommen reichlich zu belohnen, welche die Welt erhalten, die durch zehn göttliche Aussprüche erschaffen wurde." — Die verschiedenen Betrachtungen über die Zehnzahl zu Anfang dieses Abschnittes (5,1—6) gehören wahrscheinlich der Schule und der Zeit R. Akibas an, da z e h n Geschlechter seit dem Aufbau und der Wiederherstellung des zweiten Tempels, von Esra bis R. Elasar, b. Asarja gezählt wurden (Berachot 2Tb), und durch Barkochba mit Unterstützung R. Akibas neue Hoffnungen auf eine baldige neue, vollständige Erlösung von der drückenden Römerherrschaft geweckt wurden. Gewaltinaßregeln und die schwersten Bedrückungen seitens Hadrians (117—138) gaben zur Empörung und zum . Aufstande der Juden unter'Barkochba Anlaß, welche die Wiederherstellung des selbständigen Reiches nun erstrebten. Und wie Noah, Abraham je das zehnte Geschlecht repräsentieren, durch welches gewissermaßen eine neue Welt geschaffen wurde (5, 2), so erwartete auch jetzt dieses zehnte Geschlecht die Irene Schöpfung eines selbständigen Staates; und wie schon so oft bei Versuchungen, Prüfungen und Wundern die Zahl „zehn" ihre besondere Auszeichnung erhalten (5, 3. 4 a. 5. 6), so glaubte und hoffte auch diese Zeit auf diese wunderbare Auszeichnung ihres zehnten Geschlechts (seit Esra). — Der Spruch selber wird zu einer Begründung für die Theodicee, für die Bergeltnngslehre des R. Akiba, welcher (vgl. 3, 15—16) meinte, daß in gleicher Weise Sündern die Strafe und Frommen der Lohn sicher sei. Diese Sicherheit der Vergeltung folgt, wie in diesem Spruche ansgeführt wird, aus der Darstellung der heiligen Schrift, daß Gott die Welt durch zehn Aussprüche geschaffen habe und nicht bloß — wie es doch auch hätte geschehen können — durch einen einzigen. Denn je mehr Mühe sozusagen Gott auf die Weltschöpfung verwendet, desto größer die Strafe für die sie zerstörenden Frevler, desto größer der Lohn für die sie erhaltenden Froinmen. 2. „Zehn Geschlechter waren von Adam bis Noah, um dadurch kundzuthnn, wieviel Langmut vor Ihm (Gott) ist, da alle Geschlechter ihn erzürnten,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.