Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1895)
- Date
- 1895-07-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Wein trinkt. — Rabbi sagt: Sieh nicht auf den Krug, sondern auf seinen Inhalt. Mancher neue Krug ist voll alten Weines, und mancher alte enthält nicht einmal neuen Wein (jungen Wein)." — So sehr auch „Rabbi" bemüht war, die Halacha zu fixieren nach den verschiedenen Mischnijoth seiner Zeit (s. oben zu 4, 13a), so eifrig er sich auch dieser Aufgabe, hingegeben, so war es doch zunächst nicht leicht für ihn, in der Praxis durchzudringen und seine Autorität als die allein anerkannte zu wissen. Es gab wohl hier und da ältere Lehrer und Autoritäten, welche nicht von Eigenliebe und Neid so frei gewesen, vaß sie nichts unternommen hätten, um dem jüngeren Zeitgenossen entgegenzutreten, mit Absicht entgegenzutreten. In der That wollte man damals z. B. Babylonien gegenüber Palästina als unheilig erklären, nur um dadurch Rabbi, der ja vom Babylonier Hillel abstammte, zu verletzen und herabzusetzen (Kidd. 72). Aber auch das Volk hielt sich hier und da lieber an die Älteren, beispielsweise an R. Jose ben Inda (Sabbath 156). Diese Bevorzugung des Alters in der Beobachtung der Halacha bildet nun auch den Differenz- und Streitpunkt eben dieses R. Jose und Rabbi's, welch' letzterer mit Recht betont, daß zuweilen auch ein Jüngerer einen größeren Schatz von Wissen haben könne, als ein Älterer (vgl. Weiß a. a. O. II, 192). 21—22. „Rabbi Elasar der Fleischer sägt: Neid, Lust und Ehrsucht schaffen den Menschen aus der Welt. — Er pflegte zu sagen: die geboren werden, (sind bestimmt) zu sterben,, die Sterbenden, um neu belebt zn werden, und die Nenbelebten, um vor Gericht zu stehen, damit man wisse, kundthue und überzeugt werde, daß Gott zugleich ist der Bildner, der Schöpfer, der Einsichtige, der Richter, Zeuge und Kläger, der Gericht halten wird — gelobt sei Er! vor dem kein Unrecht, kein Vergessen, kein Ansehen der Person und keine Bestechung ist. Wisse, daß alles nach Rechnung geschieht; laß dich nicht von deinem bösen Triebe in Sicherheit wiegen, daß das Grab für dich eine Zufluchtsstätte sei; denn wie du gegen deinen Willen geschaffen, gegen deinen Willen geboren bist, gegen deinen Willen lebst und gegen deinen Willen stirbst, so wirst du auch einst gegen deinen Willen iin Gericht Rechenschaft ablegen vor dem Könige aller Könige, dem Heiligen — gelobt sei Er!" — Die philosophischen Systeme des Epikur und des Zenvn «Stoiker) arteten in der römischen Kaiserzeit, in welcher sie besonders das römische Weltreich beherrschten, aus: das eine zu einer Lehre der Genußsucht und Sinnenlust, und das stoische System, welches in den Tagen Hadrians und der Antoninen (117 bis 200) die begünstigte Staats- und Modephilosophie ward, zu leeren Schuldoktrinen und erlernten Sittengeboten, die ans das praktische Leben oft keinerlei Einfluß übten und oft nur dazu da waren, um die sittliche Blöße zn bedecken. Sie beide aber betrachteten von Anfang an als den Lebenszweck die irdische Glück-