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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-07-01 · Heft 7 (1.7.1895) · p. Seite 152

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 7 (1.7.1895)
Date
1895-07-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 Hallelujah hinausjubeln. Dann wird dieses Haus genannt werden ein „Haus der Anbetung für alle Völker!" Unser Gotteshaus ein Vaterhaus für alle Menschen — für ein solches Gotteshaus sind wir die Vorkämpfer und Arbeiter. Wir bilden in der heutigen Judenheit keine Partei, sondern sind als Pioniere zu betrachten. Und hier ist auch einer der Gründe zu suchen für die Wahrnehmung, daß wir eine verhältnismäßig kleine Gemeinde bilden. Pioniere kann es immer nur in geringer Zahl geben, aber die zählige Schar eröffnet eine segensreiche Zukunft, sie ist bis zu dem Lande der Verheißung vorgedrungen, in das die nachfolgenden Geschlechter einziehen können. Um deswillen haben wir uns nicht von der Hauptgemeinde losgelöst und haben keinen ausgenommen, der aus ihr geschieden ist; wir halten zur Gesamtgemeinde Israel. Aus welchem religiösen Lager auch das Schema Israel! erschallt — dieser Ruf dringt an unser Herz, es ist auch unser Lebens- und Sterbensruf! Wir tragen in Opferwilligkeit und freudigem Pflichteifer doppelte Lasten, in dem erhebenden Bewußtsein, für ganz Israel zu wirken, wenn die geschichtliche Berechtigung seines Daseins auch im Lichte der Neuzeit erkannt wird; wir leben für ganz Israel, und das verleiht unserem Wirken die göttliche Kraft und die ungeteilte Zuversicht. Ein Priestexreich sollte ganz Israel bilden, da es das noch nicht vermochte, mußte ein Priesterstand erwählt werden. Als Pioniere stellen wir den Priesterstand dar, der Lehre und Leben in Ausgleich bringt aber aus dem Priesterstande müssen wir zum Priesterreich gelangen und aus dem Priesterreich endlich zum Gottesreich. Schon heute können wir auf eine doppelte Errungenschaft blicken: wir haben den Jndifferentismus gebrochen, wie wir der Untreue einen Damm entgegengesetzt haben. Diejenigen, die in dem überlieferten Judentum sich nicht mehr zurechffanden und darum der Gleichgültigkeit gegen dasselbe verfielen — diesen haben wir ein Jsraelitentum eröffnet, für das sie sich begeistern konnten, das ihrem Seelenleben Nahrung und Labsal bot; wo aber die Begeisterung auflodert, da ist eine Untreue, ein Abfall ausgeschlossen, es sei denn, daß man dem Zwange äußerer Verhältnisse nachgiebt und sich dabei verleugnet. Aber noch ein drittes Moment wäre hier zu nennen: die Reform hat auch einen erziehlichen Einfluß geübt auf Haltung und Sprache; wir erscheinen hier nicht mehr als die Orientalen, sondern als Deutsche jüdischen Bekenntnisses, wir sind demnach nicht blos eine Kultusgemeinde, sondern auch eine Kulturgemeinde. Die Reform war mehr als ein Bedürfnis, sie war eine geschichtliche Notwendigkeit; sie wirkte nicht zerstörend, sondern rettend und aufbauend, und es zeugt von dem weiten Blick eines Stimmführers aus der konservativen Partei, der die Zeitverhältuisse erwägend, zugestand: wenn die Reformgemeinde noch nicht

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