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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-07-01 · Heft 7 (1.7.1895) · p. Seite 148

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 7 (1.7.1895)
Date
1895-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 — darauf an, inwieweit sie als Bausteine znm Gottesreiche dienen. Selbst die Jrrnngen find uns ein Beweis für die treibenden Kräfte, die der Vollendung zusteuern. Blicken wir insbesondere auf Israel, so bildet den leitenden Gedanken auf feinem Wege die aus der Gottesliebe erwachsende Menschenliebe. Dieser universelle Gedanke kann aber erst dann zum Durchbruch gelangen, wenn er durch keine nationalen Schranken in seiner Wirksamkeit gehemmt wird. Während seines eigenen Staatslebens hat Israel den Fremdling genau so behandelt wie den Eingeborenen, hat ihm das gleiche Recht gewährt, und die Nächstenliebe auch gegen ihn vorgeschrieben; als es dann nnter die Völker zog, klammerte es sich an die Verheißungen, daß auch über alles Fleisch, selbst über die Knechte und Mägde, sich der Geist Gottes ergießen werde, daß auch unter den Völkern der nationale Gedanke nicht die Menschenliebe verdrängen werde. Im übrigen glaubte es sich genug gethan zu haben, wenn es sein eigentümliches Religionsgesetz treulich bewahrte und pflegte, ohne darnach zu fragen, ob es auf die Entwickelung der Menschheit einen Einfluß übe oder nicht. Das war die Signatur Israels durch achtzehn Jahrhunderte. Da endlich sollten es die Völkerstimmen zu einer neuen Auffassung seines Daseins erwecken, zur Selbstbesinnung und Selbsterkenntnis. Was hat Israel noch der Menschheit zu sagen, nachdem sein Reich untergegangen? Die erschöpfende Antwort wurde vor einem! halben Jahrhundert znm ersten mal von einer ganzen Gemeinde gegeben. Jerusalem ist nicht mehr die einzige geheiligte Friedensstätte — Jerusalem erweitert sich zum Friedensreich der ganzen Welt. Wenn auch die Völker stets nach Zion blicken werden, von wo die Lehre ausgegangen, wenn sie auch stets dahin Wallfahrten veranstalten werden — so thront doch der Herr nicht mehr auf Zion allein, sondern überall, wo man seinen Namen anruft, ist er gegenwärtig mit seinem väterlichen Segen. Eine Absonderung durch ein vor Heidentum schützendes Religionsgesetz ist hinfällig geworden, wenn die Gotteserkenntnis sich auf Erden ausbreitet gleich wie die Wasser den Meeresgrund erfüllen; auch aus den Völkern nimmt der Herr seine Priester und Leviten; ein neuer Himmel wölbt sich über eine neue Erde; nicht mehr belehrt einer den andern, Gott zu erkennen, denn alle erkennen sie ihn, klein und groß; ihnen kommt nicht mehr die Bundeslade in den Sinn, denn die Worte sind eingegraben in die Herzen; man gedenkt ihrer nicht, da ihr Inhalt in die Gesinnung eingezogen und als solche die Richtung des Lebensweges bewirkt; man baut keine mehr, da die tiefe Innerlichkeit jedes äußerliche Formwesen überflüssig gemacht hat. Wie aber? wenn der Prophet sagt: „So wenig die Sterne vor Gott schwinden werden, so wenig wird Israel aufhören, vor Gott ein Volk zu sein" — und „ob auch ein neuer Himmel und eine neue Erde erschaffen würde, so wird

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