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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1895-06-01 · Heft 6 (1.6.1895) · p. Seite 138

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
15 (1895)
Issue
Heft 6 (1.6.1895)
Date
1895-06-01
Page
Seite 138 (sequence 18)
Language
German
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138 Der Verfasser vertritt die Annahme, daß die Israeliten nicht von Anfang an Monotheisten waren, sondern erst im Laufe der Zeit zu der monotheistischen Gottesverehrung gelangten, und thut dar, wie diese nach und nach von der Verehrung des Gottes der Gerechtigkeit zu derjenigen des Gottes der Liebe sich durchrang, eine Erkenntnis, die dann von Jesaja weitergeführt wurde. Von besonderer Wichtigkeit sei dabei für die Entwicklung seines religiösen Lebens die Ansiedlung Israels in Palästina gewesen, wo Israel aus einem Nomadenzu einem Bauernvolke wurde. — Die von Herrn Rudolf Masse in Berlin einzig in ihrer Art begründete Erziehungsanstalt tritt in Wirksamkeit. Die Wohlthätigkeitsanstalt ist in gesunder Lage in der Nähe des Grunewaldes gelegen und entspricht allen hygienischen Anforderungen der Neuzeit; sie ist bestimmt zur Aufnahme von hundert Knaben und Mädchen aus den gebildeten Ständen vom sechsten bis sechzehnten Lebensjahr, Waisen oder solchen Kindern, deren Eltern durch Schicksals schlüge in mißliche Verhältnisse geraten sind. Die Kinder werden unentgeltlich erzogen, verpflegt und bekleidet. Der Unterricht findet für die Zöglinge von sechs Jahren im Hause selbst statt, während die älteren Kinder bis zum sechzehnten Lebensjahre Gymnasien, Realschulen, höheren und mittleren Töchterschulen überwiesen werden. . Kinder aus ganz Deutschland, ohne Unterschied der Konfession, finden in dieser Anstalt Aufnahme. — Der Hannover'sche Provinziallandtag hat die veranschlagte Summe von 16,500 Mk. für das jüdische Schul- und Synagogenwesen einstimmig bewilligt. — Ein Elsüsischer Pfarrer teilt der „Straßb. Post" mit, daß der Vater des modernen Antisemitismus in Frankreich, Herr Drumont, der Enkel eines Herrn Jonas Traumann aus Böchiuge» sei, eines Israeliten, der nach Frankreich auswanderte und den Namen Jonas Traumann in Jean Drumont verwandelte. Es ist nicht festzustellen, ob Jonas Traumann sich hat taufen lassen, wahrscheinlich hat erst sein Sohn, also der Vater des Herrn Drumont von der „Libre Parole" dies gethan. In Böchingen (Rheinpfalz) leben noch Verwandte Drumont's, sie schämen sich aber ihres Vetters und verleugnen den sauberen Vogel von der,,.Libre Parole." — — Herr Rabbiner Dr. Werner wurde, nachdem er am 22. März in sein Amt als Rabbiner eingeführt worden war, am 31 März von Seiner Königl. Hoheit, dem Prinzregenten Luitpold in Audienz empfangen; Seine Königl. Hoheit haben sich, wie man hört, überaus huldreich über die frühere Stellung des Rabbiners und über die Verhältnisse der Gemeinde in München erkundigt. — Das Rabbinat Oberdorf wurde in provisorischer Weise durch Rabbinatscandidat Jesaias Straßburger aus Buchau besetzt. — Herr Dr. Hermann Minkowski, welcher im vorigen Jahre als außerordentlicher Professor der Mathematik an die Albertus-Universitüt in Königsberg berufen wurde ist zum ordentlichen Professor daselbst ernannt worden.— Der Cultusverein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Oberhessen erwählte Herrn Dr- Hirschfeld aus Posen zum Rabbiner

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