Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1895)
- Date
- 1895-06-01
- Page
- Seite 136 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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erlauben wird. So läßt sich auch in der Religion denken, daß Gott im Voraus weiß, wenn die Menschen reifer oder geistig stärker werden, daß er dann das jetzt Vorgcschriebene zurücknehmeu und anderes vorschreiben wird. Macht es ja der Lehrer auch so mit seinem Schüler, vorerst unterrichtet er ihn in leichten, der Fassungskraft des Schülers angemessenen Lehrgegenständen, dann erst, wenn der Schüler geistig gestärkt, nimmt er solche Gegenstände vor, welche der Schüler früher nicht fassen konnte. Es ließe sich daher auch denken, daß auch in einer und derselben Nation die Religion mit der Zeit wechsle." So weit der Verfasser, das Urteil über diese Auseinandersetzungen überlassen wir dem Leser. Kin interessantes Märchen. In dem Monatsblatte „Dihrc Lmeth" von Pastor W. Becker, Friedenau Berlin, Nr. 3 — 51. Jahrgang — 1895, S.- 21, ist folgendes zu lesen: „Dem ersten Sabbatsgottesdienst geht hier wie überall, wo noch der alte Brauch besteht, die Vorlesung der Psalmen 95 — 99 und 29, sowie der Gesang des von Salomo Hallevi, dem späteren Bischof Paul von Burgos, verfaßten Liedes voran, welches Israel als die Braut (?) des Sabbats darstellt." Die Richtigkeit dieser Angabe muß jedoch stark bezweifelt werden, und zwar aus dem Grunde, weil einer solch hochbedeutsamen Thatsache wie die Ernennung eines Bischofs, -zumal eines Bischofs jüdischen Stammes ist, nirgends, auch nur mit einer Silbe Erwähnung geschieht. Uns ist über Salomo Alcavez Halevi — dies der richtige Name — den Verfasser des Sabbatliedes „Lecho Dodi" nur soviel bekannt, daß er im 16. Jahrhunderte in Zefath lebte, in der Kabbalah (Geheimlehre) der Lehrer seines Schwagers Moses Cordovero war, und die Schriften: Menoth Halevi, Ajeleth Ahabim und Schorech Jischai, meist kabbalistischen Inhalts verfaßte (vgl. Asulai Schein Hagdolim — ed. ben Jacob Wien 1864 — sect. 1, 73 b. Jost. Geschichte des Judentums und seiner Sekten — Leipzig 1859 — Bd. 3, S. 137. Landshut, Siddur Hegjon Lew — Königsberg 1845 — S. 252.) daß er aber später unter dem Namen Paul, Bischof von Burgos geworden sei, scheint auf einer argen Täuschung zu beruhen, und ganz entchieden desavouirt, richtiger gesagt, als bloßes — jedenfalls interessantes — Märchen bezeichnet werden zu müssen. Gelegentlich möchten wir bezüglich des „Lecho Dodi" Verfassers noch auf einen andern Umstand anfmerksam machen. Ist nähmlich derselbe in den „Dibre Emetli“ urplötzlich zum Bischof von Burgos geworden, so wird er dagegen wieder vom Dichter des Romanzero Heinrich Heine ganz ignorirt, und die Autorschaft des „Lecho Dodi, dem R. Jehuda ben Samuel Halevi aus Kastilien,