Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1895)
- Date
- 1895-06-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 131 — waren mit der Strafe bei der Hand; sie sperrten ihren Tempel, davon erzählt der Jude Josef Maly beim Kammergericht: „Als unsere Ältesten keine Zinsen den Altstädter Herren gaben, befahlen sie deswegen, uns die Schule zu sperren und wir bedauerten sehr, unserem Herrn Gott nicht nach unserem Ritus dienen zu können und gingen zu unserem Meister darüber Klage zu führen und er sagte uns, wie wir's anfangen sollen, wenn die Ältesten sich nicht dazu haben und nicht sammeln. Er sagte: Sammelt Ihr! Und es geschah so, die Ältesten gaben uns einen Zettel, was wir von eitlem jeden nehmen sollten und so sammelten wir und gingen von Haus zu Haus und wen wir wo fanden, der mußte uns geben."41) Die Gemeinde glaubte manchmal den Ältesten nicht, daß sie darin aufrichtig seien. Samuel, ein jüdischer Arzt, sagt es im Jahre 1533 unverholen von Munka, einem der Ältesten aus: „Als er Ältester war, da wollte er von mir vier Joachimsthaler als Beitrag zur Sammlung, indem er sagte, wenn Du gibst, gut, so Du aber nichts gibst, dann wirst Du es bereuen." Ich gab ihm nichts. Da forderten wir von ihm, er niöge uns Rechnung geben, da er viele Tausende von uns gesammelt hat, wie dieser König König ist, und daß sie im Lande auch von anderen Juden sanunelten und niemals Rechnung geben wollten, wie viel tausend er gesammelt und ich weiß von keiner Rechnung, daß dieselbe nach alter Gewohnheit gegeben wäre, daß ein Ältester dem andern dieselbe geben würdet) Daß auch die Landjuden mit der von den Prager Ältesten eingeteilten Steuer nicht zufrieden waren, davon gibt es schon einen Beweis im Jahre 1514 im Leitmeritzer Buchet) Da schützen selbst die Stadträte ihre Juden. Es gebe überhaupt daselbst zweierlei Juden, die einen haben andere Herren als den König und diese tragen nichts zu der von den Prager Juden den königlichen Juden auferlegten Steuern-Summe bei und die königlichen Juden in Leitmeritz seien arm und ernähren sich nur durch Handwerk und es seien ihrer nur wenige. - „Und es ist nicht unbekannt", schließt der Leitmeritzer Brief — „daß dies alles die Prager Juden aus Zorn gegen uns üben, wie sie es selbst vor unserem Boten in Prag nicht verhehlen können." An die Prager Ältesten wandten sich die Landjuden in allen ihren auch privaten Angelegenheiten. "i Kammerger. Buch No. 2 G, Fol. 15. ") Kammerger.-Buch G, Fol. B, 13. 43) Leitmeritzer Handschr, in Bruchstücken im Museum umiumiuerirt.