Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1895)
- Date
- 1895-06-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
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128 auch beim jüd. Gerichte die Parteien durch Advokaten. Dabei waren die jüd. Richter Freunde vom mündlichen und schnellen Verfahren.^) Einigemal fanden wir auch, daß die Juden vor ihrem Richter weder Achtung noch den Frieden aufrecht erhielten. Im I. 1524 z. B. versetzte Salinan Munk vor den Ältesten dem Jsaias einen Backenstreich und dann setzten sich zwei Brüder Munk's auf Jsaias und wären nicht die Ältesten, die Meister zugegen gewesen, hätten sie ihn vielleicht erwürgt.^) Vom jüd. Gerichte gab es eine Apellation zum Altstädter Richterstuhl. Als aber i. I. 1526 „der Meister" Abraham und ein anderer Meister aus Kolin' den Walwarer Juden David mit einem andern verurteilt hatten und als David „zum höheren Rechte des Herrn Bürgermeisters und der Herren" sich berief, sprach Meister Abraham: „Weil vom Meistergerichte nach dem jüd. Rechte unter Juden es keine Berufung gibt, möge es dabei bleiben". — Und die Prager Ratsherren entschieden, es solle dabei bleiben.^) Es gab also vom Meistergerichte keine Appellation; nur vom gewöhnlichen Gerichte, dem der Ältesten, pflegte man zu appelliren. Zwischen dem jüd. Nebenrechte und dem Richterstuhl der Prager Ratsherren entstanden öfters Zwiste; im Jahre 1489 leugneten die Altstädter gänzlich, indem sie behaupteten, daß ein Jude für immer zum städtischen Rechte zu stehen verpflichtet ist, daß auch die Güter der Juden in die städtischen Bücher dieses (Altstädter) Rechtes eingeschrieben sind, sowie daß auch für solche Güter eigene Bücher eingeführt sind?"') Die gewöhnlichsten Erbitterungen entstanden daraus, weil der jüd. Richter diejenigen Zeugenschaften, welche die Christen beim Ratsherrengerichte aussagten, nicht annehmen wollte. Im I. 1610 erklärte der jüd. Richter einige schriftliche am Prager Rathause angenommene christliche Zeugenschaften als unrichtig, weil darauf kein Stadtsiegel sei. Der daraus entstandene Streit ging bis zum königlichen Appellationsrate auf die Prager Bürg und von hier ließ man den Juden ziemlich unhöflich sagen: „Ihr Juden habet unter euch kein privelegiertes Recht, euch sind die Gerichte verliehen zum Entscheiden gewisser Streitigkeiten und damit ihr mir M) Im I. 1525 bat der Jude Kuzil: a) „Meine lieben Herren Ältesten, ich kann meine Angelegenheit vor Euch nicht selber aussprechen, ich bitte, erlaubet mir, daß ich um einen Redner gehe. Die Ältesten — nachdem sie sich berieten — sagten: „Nun Kuzil, daß Du nicht verkürzt wirst, geben wir Aufschub." Die Verhandlung vertagten sie und Kuzil hatte als Redner den Juden David. Und es sagten die Aeltesten: Du hast die Anklage gehört, antworte, Es sagte Kuzil, es möge der Ankläger die Anklage noch einmal wiederholen. Als er es that, sagte Kuzil's Redner, er wolle keine mündliche Antwort geben, sondern nur eine schriftliche. Die Aeltesten sagten daher es sei nicht ordentlich und liefen den Kuzil ins Gefängnis setzen. Prag. Arch. Buch Nr. 1047 fol. k 1—2. a) Ist Abkürzung aus dem hebräischen Jekuthiel, welches dem Midrasch zufolge ein Epitheton ornans unseres großen Lehrers Mosis war. as) Buch Nr. 1047. D. 20 Prager Archiv. 24) Prager Archiv Buch Nr. 1128, Fol. 87. 26) Prager Archiv Buch Nr. 1166, 229.