Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 15 (1895)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1895)
- Date
- 1895-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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'j i — 119 — seine Hörer im Sturm erobert und nicht nur den leichter empfänglichen Teil derselben zu begeisterten Huldigungen hingerissen, sondern auch alle diejenigen, deren Glaube an Wunderkinder mit etwas Skepticismus genlischt ist, voll für sich eingenommen. Hubermann ist kein Wunderkind im gewöhnlichen Sinne; es ist nicht die Frühreife, die seiner Leistung das Gepräge gibt, sondern eine phänomenale Begabung rein musikalischer Natur, die glücklicherweise durch vernünftige Führung vor allen Schäden behütet worden ist. Der Knabe ist elf Jahre alt und hat in technischer Beziehung eine Stufe solcher Vollendung erreicht, daß er Werke von der Schwierigkeit des Mendelssohn'schen Concertes, der Bach'chen Chaconne, von Raffinement der „Zigeunerweisen" Sarasates mit einer einfach erstaunlichen Sicherheit beherrscht. Weferate nnd Mitteilungen. Im Verlage der N. G. Elwert'schen Verlagsbuchhandlung in Marburg ist erschienen: Johann Kepler und die Bibel. Ein Beitrag zur Geschichte der Schriftautorität von Lic. theol. G. Adolf Deiffmann, Privatdocenten und Repetenten an der Universität Marburg. Es wird in dieser 34 Seiten umfassenden lehrreichen Schrift das Verhältnis Keplers zur Bibel dargestellt, die in ihren Berichten mit den Ergebnissen der Naturwissenschaft nicht immer übereinstimmt. Kepler hatte den richtigen Standpunkt, daß in der Bibel kein Collegium über Optikt, Physik und Astronomie abgehalten werde, sondern daß sie sich der populären Ansdrucksweise für die natürlichen Dinge zu einem höheren ihr mehr entsprechenden Zwecke bediene. Es ist daher als eine vergebliche und unnütze Sache anzusehen, wenn die Theologie viel Zeit vergeudet auf Auseinandersetzungen mit der Naturwissenschaft. Kepler stimmt auch unbewußt mit R. Jsmael überein, der die Anthropomorphismen in der Bibel als Anbequemungen an die menschliche Redeweise erklärt mit den Worten, „die Thora redet nach der Sprache der Menschen" in seiner Aenßerung, die heilige Schrift redet über die alltäglichen Erscheinungen mit den Menschen auf menschliche Weise, um von den Menschen verstanden zu werden und so ist denn auch das erste Capitel der Genesis nicht als philosophische Erklärung der Welt aufzufassen. — Von Herrn Rabbiner Dr. Zicklow ist polnische Uebersetzung der Bibel erschienen. Die erste Uebersetzung ist von einem katholischen Pfarrer erschienen. Sie lehnte sich an die Vulgata an. Die zweite Uebersetzung lieferte Herr Lehrer D. Neufeld in Warschau, der nachher in seiner Arbeit starb. Die Uebersetzung Ziklows